Bebauungsplan mit Risiko: Wird Wehr seine Wirtschaft unnötig ausbremsen?

18.09.2025

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Dem Gemeinderat wird am 23. September 2025 der Bebauungsplan „Ausschluss von Nutzungen in Gewerbegebieten“ zur Abstimmung vorgelegt.

Was auf den ersten Blick nach einer ordnungspolitischen Maßnahme klingt, könnte sich in der Praxis zu einem massiven Eingriff in die lokale Wirtschaft entwickeln. Die Vorlage sieht vor, sämtliche Wohnnutzungen, großflächigen Einzelhandel und Vergnügungsstätten in Gewerbe- und Industriegebieten künftig auszuschließen.

Offiziell begründet wird das mit der „Flächeneffizienz“ und dem Wunsch nach „hoher Arbeitsplatzdichte“. Doch angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Lage stellt sich die Frage, ob die Stadt mit dieser Entscheidung nicht die falschen Prioritäten setzt.

Wirtschaftlicher Druck nimmt zu

Die Unternehmen in Wehr stehen bereits unter erheblichem Druck: steigende Energiekosten, Fachkräftemangel und ein wachsender internationaler Wettbewerb. Gerade in dieser Situation braucht es Flexibilität und unternehmerische Freiheit.

Mit dem Ausschluss von Betriebswohnungen etwa werden besonders kleinere und familiengeführte Betriebe hart getroffen. Für viele war die Kombination von Wohnen und Arbeiten ein wichtiges Mittel, um Kosten zu senken, Fachkräfte zu binden und kurze Wege zu sichern. Diese Option fällt nun weg.

Auch der vollständige Ausschluss von Vergnügungsstätten mag ordnungspolitisch sinnvoll erscheinen, nimmt der Stadt jedoch die Chance auf zusätzliche Investitionen in Freizeit- und Dienstleistungsangebote, die Arbeitsplätze schaffen und junge Menschen an den Standort binden könnten.

Risiko für Ansiedlungen

Noch problematischer ist der Umgang mit dem Einzelhandel. Zwar will man den zentralen Versorgungsbereich zwischen Bahnhof und Brennet-Areal stärken – ein verständliches Ziel. Doch der rigide Ausschluss sämtlicher großflächiger Einzelhandelsprojekte in Gewerbegebieten könnte für Wehr zum Standortnachteil werden.

Andere Gemeinden in der Region gehen pragmatischer vor und erlauben Mischformen, die es Betrieben ermöglichen, Produktions- mit Verkaufsflächen zu kombinieren. Wer diese Chance sucht, könnte Wehr künftig bewusst meiden. Das schwächt den Standort im interkommunalen Wettbewerb.

Langfristige Konsequenzen

Die Beschlussvorlage mag rechtliche Klarheit schaffen – sie schafft aber auch eine wirtschaftliche Einengung, die der Stadt teuer zu stehen kommen kann. Wehr riskiert, dass sich die Gewerbegebiete zwar theoretisch „sauber“ darstellen, praktisch aber unterausgelastet bleiben, weil Betriebe andere, flexiblere Standorte wählen.

Anstatt die wenigen verfügbaren Flächen maximal restriktiv zu reglementieren, wäre es vielleicht klüger, den Betrieben mehr Spielräume zu lassen und gleichzeitig mit Auflagen für städtebauliche Verträglichkeit zu arbeiten. Denn ohne ausreichende Neuansiedlungen droht Wehr in eine wirtschaftliche Abwärtsspirale zu geraten.

Fazit

Der Bebauungsplan ist ein zweischneidiges Schwert: Er verhindert Nutzungskonflikte, schränkt aber die unternehmerische Freiheit massiv ein. In einer Zeit, in der die Wirtschaft ohnehin unter Druck steht, wirkt die Vorlage wie ein Bürokratieprojekt zur Unzeit.

Statt allein auf „Flächeneffizienz“ zu setzen, müsste die Stadt den Mut haben, mehr Vielfalt und Flexibilität zuzulassen – sonst droht Wehr, im Wettbewerb mit Nachbarkommunen ins Hintertreffen zu geraten.

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