Die Bürgermeisterwahl in Wehr ist geprägt von zahlreichen Informationen, die den Bürgerinnen und Bürgern eine fundierte Wahlentscheidung ermöglichen sollen. Bürgermeisterkandidat Michael Kownatzki vermittelt in der Öffentlichkeit klare Themen und Schwerpunkte, sodass wir mehr darüber erfahren wollten. Bereits Anfang Oktober gaben wir dem Kandidaten die Möglichkeit, verschiedene Fragen zu seiner Kandidatur zu beantworten.
Offene Punkte zur Entwicklung der Stadt Wehr
Fragen rund um die Entwicklung der Stadt Wehr – was bleiben kann, was verändert werden sollte, bei welchen Themen aus seiner Sicht Kompromissbereitschaft gegenüber dem Gemeinderat gefragt wäre oder woher die finanziellen Mittel für Vorhaben kommen sollen – sind nach heutigem Stand nicht beantwortet worden. Auch auf Fragen, wie Bürgerinnen und Bürger einbezogen werden sollen oder wie Kritik in Entscheidungsprozesse einfließen könnte, liegen uns bislang keine Antworten vor.
In öffentlichen Auftritten und in den sozialen Medien kann man sich jedoch ein Bild davon machen, wie mögliche Antworten aussehen könnten. Zu betonen ist, dass uns die Gründe dafür, dass auf unsere konkreten Fragen bislang keine Antwort eingegangen ist, nicht bekannt sind.
Klare Linie – wenig erkennbare Alternativen
Nach unserem Eindruck verfolgt Kownatzki einen klaren Weg mit klaren Vorstellungen. Andere Sichtweisen werden von ihm mit Argumenten entkräftet; es entsteht der Eindruck, dass es für die von ihm favorisierten Ideen und Wege nach seiner Darstellung kaum Alternativen gibt.
Dies zeigt sich aus unserer Sicht auch am Beispiel der Gesundheitsversorgung: Während viele Städte in der Region um neue Ärztinnen und Ärzte bemüht sind und Wehr laut einer Studie für einen weiteren Ausbau eher ungünstige Ausgangsbedingungen hat – Gemeinden mit noch schlechterer Versorgung würden demnach vermutlich stärker von Maßnahmen profitieren – wurden uns auf Nachfrage keine Risiken, die damit einhergehen könnten, genannt.
Kommunikation und Auftritt in sozialen Medien
Auch die Themen in den sozialen Medien werfen Fragen auf. Polarisierende Beiträge von Personen, die zudem in Videobotschaften von Kownatzki als Protagonisten auftreten, können den Eindruck erwecken, dass es weniger um Inhalte als um Aufmerksamkeit geht.
Die Frage, ob und wie die inhaltlichen Vorhaben realistisch umsetzbar wären, tritt dabei in den Hintergrund. Mit einer solchen Vorgehensweise entfällt zugleich eine vertiefte öffentliche Auseinandersetzung mit alternativen Ideen und Wegen.
Ob dies für die Ausübung eines Bürgermeisteramtes die geeignete Herangehensweise ist, erscheint aus unserer Sicht fraglich.
