Mit Matthias Jehle tritt ein weiteres Mitglied des Gemeinderats zur Bürgermeisterwahl in Wehr an – neben Schimak und Kownatzki.
Jehle beschreibt sich selbst als konservativ und betont, den direkten Austausch mit den Bürgerinnen und Bürgern zu suchen, um die Stadt mitzugestalten.
Doch bleibt die Frage: Wer sind für ihn „die Bürger“, mit denen er Wehr formen möchte?
Parteizugehörigkeit als Hemmschuh für Dialog
Jehle ist Mitglied der AfD. Diese Zugehörigkeit könnte dazu führen, dass viele Bürgerinnen und Bürger Distanz wahren, anstatt sich auf Gespräche einzulassen.
Die Erfahrung zeigt: Während Kritik an der AfD häufig zur Forderung nach mehr Toleranz führt, begegnet die Partei selbst anderen Meinungen oftmals mit Ablehnung. Das wirft Zweifel daran auf, ob Jehle in der Lage ist, die notwendige Gesprächskultur für ein Bürgermeisteramt zu pflegen – eine Kultur, die Offenheit, Ausgleich und Konsens voraussetzt.
Schwerpunkte schwer erkennbar
Noch ist unklar, welche konkreten Themen Jehle in den Mittelpunkt seiner Kandidatur stellen will. Ein Blick in die Sitzungen des Gemeinderats legt jedoch nahe, dass ihm die Trennung von Lokalpolitik und bundes- oder landespolitischen Fragen schwerfällt.
Immer wieder mischt er landes- und bundespolitische Narrative in lokale Debatten – mit der Gefahr, die eigentlichen Bedürfnisse Wehrs aus dem Blick zu verlieren.
Beispiel aus der Gemeinderatssitzung
Am 1. Juli 2025 zeigte sich, welche Folgen diese Haltung haben kann: In einer Sitzung zum Thema „Kosten für die Mittagsbetreuung an Schulen“ fragte Jehle, warum für die Kinder kein Schweinefleisch angeboten werde.
Eine Frage, die offenbar auf Rücksichtnahmen gegenüber muslimischen Schülern anspielte – und eher ideologisch motiviert als sachbezogen war. Noch in der Sitzung wurde klargestellt, dass es keinerlei Einschränkungen dieser Art gibt.
Ein Beispiel dafür, wie parteipolitische Reflexe eine sachliche Diskussion über konkrete lokale Anliegen überlagern können.
Was das für Wehr bedeutet
Ein Bürgermeister muss nicht nur die Verwaltung führen, sondern auch Brücken bauen – zwischen verschiedenen politischen Strömungen, sozialen Gruppen und den alltäglichen Bedürfnissen der Menschen. Wer jedoch im Dialog eher ausgrenzt als integriert, riskiert, dass wichtige Teile der Bürgerschaft sich nicht vertreten fühlen.
Für Wehr stellt sich damit eine zentrale Frage: Kann ein Kandidat, der politisch stark polarisiert, die Stadt im Ganzen zusammenführen? Oder droht im Gegenteil eine Verschärfung der Gräben, die ohnehin schon viele politische Debatten prägen?
Eines ist sicher: Wehr braucht einen Rathauschef, der über Parteigrenzen hinweg Vertrauen schafft. Ob Matthias Jehle dieser Aufgabe gerecht werden kann, bleibt zweifelhaft.
