Bürgermeisterwahl in Wehr: Denis Schimak zum neuen Bürgermeister gewählt

09.11.2025

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Die Wehrer Bürgerinnen und Bürger haben gewählt: Mit 74% der Stimmen wurde Denis Schimak zum neuen Bürgermeister der Stadt Wehr gewählt. Schimak wird das Amt voraussichtlich im Januar 2026 von Amtsinhaber Michael Thater übernehmen.

Die beiden anderen Kandidaten, Michael Kownatzki (9%) und Matthias Jehle (17%), konnten im Wahlkampf weniger Unterstützung auf sich vereinen. Die Wahlbeteiligung lag bei ca. 56%.

Analyse des Wahlkampfs

Städte und Gemeinden stehen in einer schwierigen Situation, die über Jahre hinweg dazu geführt hat, dass Vertrauen in die Politik verloren ging. Denis Schimak hat diese Situation aufgegriffen und seine zentralen Botschaften daran ausgerichtet.

Michael Kownatzki war zu Beginn des Wahlkampfs mit inhaltlicher Stärke präsent. Im weiteren Verlauf wirkten seine Botschaften jedoch weniger klar und konsistent, sodass die Kommunikationsstrategie offenbar angepasst wurde. Statt den Fokus durchgängig auf die konkreten Bedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger zu richten, schienen die Themen zeitweise stärker auf persönliche Profilierung und Emotionalisierung ausgerichtet zu sein. Dies könnte ihm auf den letzten Metern Stimmen gekostet haben.

Bei Matthias Jehle entstand der Eindruck, dass er stark mit seinem eigenen Umfeld und dessen Themen befasst war. Zwar hat er bestehende Probleme benannt, jedoch keine für eine größere Wählerschaft sichtbar tragfähigen Lösungen präsentieren können. Interessierte erfuhren etwa in einer Podiumsdiskussion, wie sehr ihn ein Arztwechsel nach Rheinfelden beschäftigt hat und welche Bedeutung seine Rolle in der AfD für ihn hat. Für das Amt des Bürgermeisters erwarten viele Bürgerinnen und Bürger jedoch vor allem konkrete, umsetzbare Konzepte für die Stadt.

Was auf die Bürgerinnen und Bürger zukommt

Denis Schimak betonte von Beginn an, wie wichtig ihm die Zusammenarbeit mit Bürgerinnen und Bürgern, der lokalen Wirtschaft und die gemeinsame Entwicklung der Stadt ist. Das ist für viele Bewohnerinnen und Bewohner von Wehr ein neuer Ansatz, denn über Jahre hinweg wirkte die Lokalpolitik wie eine undurchsichtige „Kuppel“, die zwar Entscheidungen traf, deren Ziele und Hintergründe aber nicht immer klar erkennbar waren.

Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass mit Schimak als Bürgermeister viele Bürgerinnen und Bürger in Wehr einen Teil der demokratischen Verantwortung wieder stärker selbst in die Hand nehmen müssen – ganz im Sinne der demokratischen Idee. Nicht nur durch die Teilnahme an Wahlen, sondern auch durch Engagement, eigene Ideen, Diskussionen und Beteiligung.

Schimak wird viel Überzeugungsarbeit leisten und auch Rückschläge hinnehmen müssen, bevor sich seine Vorhaben vollständig entfalten können. Der wichtigste Hebel dabei ist Transparenz und Ehrlichkeit: Je besser die Einwohnerinnen und Einwohner der Stadt informiert sind und je einfacher sie sich beteiligen können, desto höher sind die Erfolgschancen für sein zentrales Versprechen.

Was auf die Gastronomie und den Einzelhandel zukommt

Der Einzelhandel und die Gastronomie in Wehr schleppt schon seit Jahren eine große Herausforderung mit sich: Die Stadt ist nicht attraktiv genug, sodass sich im Innenstadtbereich dauerhaft genügend Menschen aufhalten, die die vorhandenen Angebote nutzen könnten. Dadurch entstand der Bedarf nach konzentrierten Aktionen wie Feste und Märkte, die punktuell Umsätze einbringen – sie dienten aber überwiegend dem Selbstzweck von Gastronomie und Handel, ohne die grundlegende Situation spürbar zu verändern.

Geht es nach Schimaks Vorstellungen, sind alle Unternehmen in Wehr ein Teil des demokratischen Miteinanders. Dies erfordert ein Umdenken bei den wirtschaftlichen Akteuren: weg von der reinen Fixierung auf Umsätze und Besucherzahlen hin zu einer stärkeren Orientierung an Aufenthaltsqualität und den tatsächlichen Bedürfnissen der Menschen in Wehr. Gastronomie und Einzelhandel könnten künftig noch stärker als Orte des Austauschs, der Begegnung und der Beteiligung verstanden werden – und nicht nur als reine Verkaufs- und Bewirtungsflächen.

Dazu wird es voraussichtlich gemeinsame Strategien von Stadtverwaltung, Servicegemeinschaft und einzelnen Betrieben brauchen. Denkbar sind beispielsweise besser kommunizierte Angebote, attraktiv gestaltete öffentliche Räume sowie Kooperationsformate, bei denen Veranstaltungen nicht nur Umsatzbringer, sondern Bausteine einer langfristigen Innenstadtentwicklung sind. Entscheidend wird sein, dass Gastronomie und Handel frühzeitig in Planungen einbezogen werden und ihre Perspektiven einbringen können.

Für die Betriebe in Wehr bedeutet dies Chancen und Herausforderungen zugleich: Wer sich aktiv in Dialogformate, Stadtentwicklungsprozesse und gemeinsame Aktionen einbringt, kann die künftig entstehenden Rahmenbedingungen mitprägen. Im Gegenzug wird von ihnen erwartet werden, Verantwortung für das Gesamtbild der Stadt zu übernehmen – im Sinne eines lebendigen Zentrums, in dem sich Bürgerinnen und Bürger gerne aufhalten und wiederkommen.

Was auf den Gemeinderat zukommt

Auch der Gemeinderat wird sich auf eine veränderte Form der Zusammenarbeit mit Bürgermeister und Stadtverwaltung einstellen müssen. Was bisher eher im Hintergrund verhandelt und ausgetauscht wurde, wird künftig nachvollziehbarer auf die öffentliche Bühne gebracht werden müssen. Positive wie negative Aspekte sollten offen diskutiert und transparent zur Entscheidung gestellt werden.

Bisherige Randnotizen und eher passives Handeln müssten stärker in öffentliche Anträge und aktive Beratungsrunden überführt werden – unter Berücksichtigung der bestehenden Mehrheitsverhältnisse. Das ist kein einfaches Unterfangen. Das Wahlergebnis legt jedoch nahe, dass viele Bürgerinnen und Bürger mehr Transparenz und Ehrlichkeit wünschen. Und eines wird ebenfalls deutlich: Andere Kommunikations- und Politikstile haben sie bei dieser Wahl bewusst nicht bevorzugt.

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