In Wehr gibt es derzeit zwei Kandidaten für das Bürgermeisteramt. Beide betonen Bürgernähe – doch mit unterschiedlichen Vorstellungen.
Während Kownatzki vom Dialog mit den Bürgern spricht, setzt Schimak auf Bürgerbeteiligung. Zwei Konzepte, die ähnlich klingen, aber sehr unterschiedliche Wirkungen haben.
Dialog mit den Bürgern – Kownatzkis Ansatz
Wenn Kownatzki von Dialog spricht, meint er den direkten Austausch zwischen Rathaus und Bevölkerung. Das kann in Form von Bürgersprechstunden, Informationsveranstaltungen oder Stadtteilrunden stattfinden. Auch digitale Kanäle – von E-Mail über soziale Medien bis hin zu Online-Fragestunden – fallen darunter.
Der Vorteil liegt auf der Hand: Entscheidungen werden transparenter, Missverständnisse können schneller geklärt, Kritik frühzeitig aufgenommen werden. Viele Bürgerinnen und Bürger empfinden es als Wertschätzung, wenn ihre Sorgen direkt gehört werden und sie unkompliziert Fragen stellen können.
Allerdings hat der Dialog klare Grenzen: Er bleibt ein Gesprächsangebot. Am Ende liegt die Entscheidung weiterhin bei Bürgermeister, Gemeinderat oder Verwaltung. Rückmeldungen aus der Bürgerschaft können berücksichtigt werden, ein Anspruch auf Umsetzung besteht aber nicht.
Kownatzkis Ansatz bedeutet also in erster Linie, dass die Bürger gut informiert und gehört werden – ohne dass sich die Entscheidungsprozesse grundlegend verändern.
Bürgerbeteiligung – Schimaks Ansatz
Schimak versteht Bürgernähe weiter gefasst: Für ihn ist nicht nur das Gespräch entscheidend, sondern die aktive Einbindung der Menschen in Entscheidungsprozesse. Bürgerbeteiligung heißt, dass Ideen, Vorschläge und auch Bedenken systematisch in Planungen einfließen.
Dafür gibt es verschiedene Modelle: Bürgerbudgets, bei denen Einwohner über die Verwendung bestimmter Mittel entscheiden können; Arbeitsgruppen, die Vorschläge zu konkreten Themen erarbeiten; oder projektbezogene Beteiligungsverfahren, etwa bei der Umgestaltung öffentlicher Plätze, Verkehrsfragen oder Bauvorhaben. In manchen Fällen könnten sogar Bürgerentscheide ein Mittel sein.
Der Vorteil dieser Vorgehensweise: Entscheidungen gewinnen an Legitimation. Wenn Menschen an Projekten mitarbeiten, steigt die Akzeptanz – auch für schwierige Maßnahmen. Gleichzeitig können lokale Kenntnisse und kreative Ideen aus der Bürgerschaft zu besseren Lösungen führen.
Doch auch hier gibt es Herausforderungen. Beteiligungsprozesse brauchen Zeit, klare Regeln und Transparenz über die Grenzen der Mitbestimmung. Ohne gute Moderation drohen Konflikte, und es besteht die Gefahr, dass am Ende nur ein kleiner Teil der Bevölkerung aktiv mitwirkt, während andere außen vor bleiben.
Unterschiedliche Auswirkungen auf Wehr
Die Frage, ob Wehr künftig stärker auf Dialog oder auf Beteiligung setzt, ist nicht nur semantisch. Sie hat ganz konkrete Folgen für das Zusammenleben in der Stadt.
Ein Beispiel: Die Verkehrsplanung.
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In Kownatzkis Modell würde die Stadtverwaltung ein Konzept erarbeiten, es in einer Bürgerversammlung vorstellen und Rückmeldungen sammeln. Kritik könnte aufgenommen und gegebenenfalls eingearbeitet werden – die letztendliche Entscheidung träfe aber der Gemeinderat.
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In Schimaks Modell würden Bürgerinnen und Bürger frühzeitig in Arbeitsgruppen eingebunden, könnten verschiedene Varianten mitentwickeln und vielleicht sogar über Teilprojekte abstimmen. Das erhöht die Mitgestaltung, macht den Prozess aber auch komplexer und zeitintensiver.
Ähnliches gilt für Fragen wie den Ausbau von Wohngebieten, die Entwicklung von Gewerbeflächen oder die Gestaltung von Grünanlagen: Dialog sorgt für Transparenz und Verständnis, Beteiligung für Mitbestimmung und Akzeptanz.
Zwei Wege zur Bürgernähe
Beide Kandidaten wollen die Bevölkerung stärker einbinden, doch die Konzepte unterscheiden sich deutlich:
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Kownatzki setzt auf Transparenz und regelmäßigen Austausch, bleibt damit aber beim klassischen Modell der repräsentativen Demokratie, in dem die Verantwortung klar bei den gewählten Gremien liegt.
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Schimak möchte die Bürger stärker an Entscheidungen beteiligen und strebt eine Kultur der Mitgestaltung an, die über reines Zuhören hinausgeht.
Für die Menschen in Wehr bedeutet das: Sie müssen sich entscheiden, ob ihnen vor allem der unkomplizierte Zugang zu Informationen und Ansprechpartnern wichtig ist – oder ob sie den Wunsch haben, selbst aktiv an der Entwicklung ihrer Stadt mitzuwirken.
