Die Landtagswahl 2026 in Baden-Württemberg findet in einer Phase statt, in der politische Entscheidungen unmittelbare wirtschaftliche und gesellschaftliche Folgen haben.
Steigende Energiepreise, der tiefgreifende Wandel der Automobilindustrie und strukturelle Probleme im Bildungssystem gehören zu den zentralen Themen des Wahlkampfs. Zu allen drei Bereichen liegen inzwischen umfangreiche Studien vor, die eine Einschätzung erlauben, welche politischen Konzepte eher stabilisierend wirken – und welche Risiken bergen.
Energiepolitik
In der Energiepolitik setzen Grüne und SPD auf den beschleunigten Ausbau erneuerbarer Energien. Wind- und Solarstrom sollen nicht nur dem Klimaschutz dienen, sondern auch die Strompreise langfristig stabilisieren.
Studien zeigen, dass erneuerbare Energien inzwischen zu den günstigsten Formen der Stromerzeugung gehören. Über den sogenannten Merit-Order-Effekt senkt ein hoher Anteil erneuerbarer Energien die Börsenstrompreise, weil teure fossile Kraftwerke seltener zum Einsatz kommen. Auch weitere Studien kommen zu dem Ergebnis, dass Länder mit hohem Anteil heimischer erneuerbarer Energien weniger anfällig für Preisschocks auf den Weltenergiemärkten sind.
Kurzfristig erfordert dieser Kurs allerdings Investitionen in Netze, Speicher und Systemstabilität.
CDU und FDP verfolgen in der Energiepolitik einen stärker marktorientierten Ansatz. Sie betonen Versorgungssicherheit, Technologieoffenheit und den Abbau von Bürokratie. Energieökonomische Studien zeigen, dass Wettbewerb Effizienzgewinne bringen kann. Gleichzeitig weisen diese Studien darauf hin, dass reine Deregulierung die Energiepreise nicht automatisch senkt und in Krisenzeiten sogar zu stärkeren Preisschwankungen führen kann, wenn staatliche Leitplanken fehlen.
Die AfD lehnt den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien weitgehend ab und setzt stattdessen auf fossile Energieträger und Kernkraft. Energieökonomische Analysen bewerten diesen Ansatz kritisch.
Fossile Energien verursachen langfristig höhere volkswirtschaftliche Kosten durch Importabhängigkeit, volatile Weltmarktpreise und steigende CO₂-Kosten. Für ein rohstoffarmes und exportorientiertes Bundesland wie Baden-Württemberg gilt ein solcher Kurs als ökonomisch riskant.
Automobilindustrie
Noch deutlicher werden die Unterschiede beim Thema Automobilindustrie, dem wirtschaftlichen Rückgrat des Landes. Grüne und SPD setzen auf eine aktive Transformationspolitik.
Elektromobilität, Batterietechnologie, Software und automatisiertes Fahren sollen gezielt gefördert werden, flankiert durch Qualifizierungsprogramme für Beschäftigte. Studien zeigen, dass der Übergang zur Elektromobilität ohne politische Begleitung zu erheblichen Beschäftigungsverlusten führen kann. Gleichzeitig belegen diese Studien, dass gezielte Industrie- und Weiterbildungspolitik neue Wertschöpfung schafft und den Strukturwandel sozial abfedern kann.
CDU und FDP setzen in der Industriepolitik stärker auf Technologieoffenheit und Zurückhaltung des Staates. Unternehmen sollen selbst entscheiden, in welche Technologien sie investieren. Industrieökonomische Untersuchungen zeigen jedoch, dass Unternehmen vor allem dort investieren, wo politische Rahmenbedingungen klar, langfristig und verlässlich sind. Unklare Signale oder ein Aufschieben von Entscheidungen können Investitionen verzögern und Wettbewerbsnachteile verschärfen.
Die AfD stellt die Transformation der Automobilindustrie grundsätzlich infrage und will am Verbrennungsmotor festhalten. Studien internationaler Marktforscher kommen jedoch übereinstimmend zu dem Ergebnis, dass sich der globale Automobilmarkt unabhängig von nationaler Politik in Richtung Elektromobilität und Digitalisierung bewegt. Ein Festhalten an alten Technologien würde den Standort Baden-Württemberg langfristig schwächen.
Bildungspolitik
In der Bildungspolitik setzen Grüne und SPD auf mehr Personal, den Ausbau von Ganztagsangeboten und eine stärkere Förderung von Chancengleichheit. Bildungsstudien zeigen, dass Investitionen in frühe Bildung, kleinere Lerngruppen und gut ausgebildete Lehrkräfte langfristig zu besseren Bildungsabschlüssen und höherer wirtschaftlicher Produktivität führen.
CDU und FDP betonen Leistungsorientierung, Vergleichbarkeit von Abschlüssen und Schulautonomie. Bildungswissenschaftliche Untersuchungen bestätigen, dass Autonomie positive Effekte haben kann – allerdings nur dann, wenn Schulen über ausreichende personelle und finanzielle Ressourcen verfügen. Ohne zusätzliche Investitionen bleibt der Effekt begrenzt.
Die AfD lehnt viele Reformen ab. Bildungsforscher sehen darin keine wirksame Antwort auf Lehrkräftemangel, Leistungsunterschiede oder den steigenden Fachkräftebedarf.
