Am 23. September 2025 hat der Gemeinderat eine weitreichende Entscheidung getroffen: Der Bebauungsplan für Gewerbegebiete wird angepasst – mit der Konsequenz, dass die Ansiedlung von Einzelhandel in mehreren Teilbereichen künftig untersagt sein wird.
Damit stellt sich die Frage, welche Folgen diese Entscheidung für Anwohnerinnen und Anwohner, aber auch für die Attraktivität der Stadt insgesamt haben könnte.
Versorgungslücken oder Zukunftssicherung?
Einzelhandel ist weit mehr als nur ein Wirtschaftsfaktor. Er sichert die Nahversorgung mit Lebensmitteln, Drogerieartikeln und Alltagsgütern, schafft Arbeitsplätze und trägt zur Attraktivität einer Stadt bei. Zugleich sorgt er durch Gewerbesteuern für Einnahmen in der Stadtkasse.
Bislang haben Bürgerinnen und Bürger in Wehr begrenzte Auswahlmöglichkeiten: Entweder der Weg in die Innenstadt mit wenigen, aber zentralen Angeboten, die Fahrt in das Gewerbegebiet Bündtenfeld – oder gleich in die Nachbargemeinden.
Besonders die Innenstadt ist schwach aufgestellt: Abseits der Märkte im Brennet-Areal ist kaum Einzelhandel zu finden. Perspektivisch wird sich daran wenig ändern, denn die Geschäftsleute entlang der Hauptstraße haben signalisiert, dass Investitionen in neue Konzepte noch in weiter Ferne liegen.
Bündtenfeld: Ende der Expansionsmöglichkeiten
Das Gewerbegebiet Bündtenfeld, wo heute unter anderem REWE und Aldi Filialen betreiben, wird durch die neue Regelung ausgebremst. Einzelhandel soll hier keine Zukunft haben. Sollten die bestehenden Märkte irgendwann schließen oder verlagert werden, stünde insbesondere das Enkendorf ohne wohnortnahe Versorgungsmöglichkeiten da. Für viele Bürgerinnen und Bürger wäre das ein empfindlicher Einschnitt in die alltägliche Versorgung.
Finsterbach: Kein Platz für Fachmärkte
Auch im Gewerbegebiet Finsterbach, wo heute etwa Fliesen Mattes oder eine Feinkostmanufaktur zu finden sind, ist Einzelhandel künftig tabu. Zwar grenzt das Areal nicht direkt an Wohngebiete, doch die Option, hier Fachmärkte wie einen Elektronik- oder Möbelhandel anzusiedeln, ist ausgeschlossen.
Andere Städte nutzen gerade solche Standorte am Stadtrand, um Einkaufsmöglichkeiten zu bündeln – in Wehr wird dieser Weg nun blockiert.
Flienken: Verpasste Chance für Nahversorgung
Am härtesten trifft die neue Regelung das Gewerbegebiet Flienken. Dort sind bisher ein Auto-Waschpark und ein Kaminofen-Betrieb ansässig. Das Gebiet grenzt nördlich, östlich und südlich an Wohngebiete – also genau dort, wo Einzelhandel für viele Bürgerinnen und Bürger am nächsten läge.
Doch die Anpassung des Bebauungsplans nimmt diese Option vom Tisch.
Der Beschluss des Gemeinderats zeigt: Einzelhandel ist in Wehr kein selbstverständlicher Bestandteil der Stadtentwicklung. Statt auf Flexibilität aus Sicht der Bürgerinnen und Bürger zu setzen, wird die Ansiedlung von neuen Geschäften eingeschränkt.
Für die einen mag dies eine Maßnahme sein, um Gewerbegebiete klarer zu strukturieren. Für die anderen ist es eine verpasste Chance, die Nahversorgung auszubauen und Wehr als attraktiven Wohn- und Einkaufsstandort zukunftsfähig zu machen.
