Der Glasfaserausbau in Wehr gilt aus Sicht der Stadtverwaltung als Erfolg. Die technische Infrastruktur ist in weiten Teilen vorhanden, und dennoch bleibt die Nachfrage hinter den Erwartungen zurück. In politischen Sitzungen und öffentlichen Verlautbarungen wird regelmäßig darauf hingewiesen, dass bislang zu wenige Haushalte das Angebot nutzen. Mit gezielter Information und verstärkter Werbung möchte die Stadt im Jahr 2026 mehr Bürgerinnen und Bürger von einem Anschluss überzeugen.
Doch woran liegt es tatsächlich, dass viele Wehrerinnen und Wehrer trotz verfügbarer Glasfaser nicht umsteigen?
Dieser Frage sind wir in einer nicht repräsentativen Umfrage nachgegangen. Rund 1.800 Rückmeldungen wurden ausgewertet und geben ein differenziertes Bild.
Grundsätzliches Interesse vorhanden
Ein zentrales Ergebnis der Umfrage: Das Interesse an Glasfaser ist durchaus da. Viele der Befragten geben an, sich bereits mit dem Thema beschäftigt zu haben und über ausreichende Informationen zu verfügen, um eine Entscheidung treffen zu können. Ein Mangel an Aufklärung ist für die Mehrheit also nicht der entscheidende Hemmschuh.
Bestehende Anschlüsse reichen aus
Der Hauptgrund für den Verzicht liegt woanders. Über 70 Prozent der Teilnehmenden geben an, dass ihr derzeitiger Internetzugang – meist über DSL oder Mobilfunk – ihren Anforderungen genügt. Für sie überwiegen die wahrgenommenen Nachteile eines Wechsels: der Aufwand der Installation, Unsicherheiten hinsichtlich der tatsächlichen Qualität sowie die langfristige vertragliche Bindung. Ein klar erkennbarer Mehrwert fehlt vielen – zumindest im Alltag.
Technische und rechtliche Hürden
Etwa 30 Prozent der Befragten nennen andere Gründe. Dazu zählt, dass das Glasfaserangebot an ihrer Adresse nicht verfügbar ist oder dass Unklarheiten über die tatsächlichen Anschlussmöglichkeiten bestehen. Teilweise wurden auch fehlerhafte oder widersprüchliche Informationen angegeben. Häufig betreffen diese rechtliche Rahmenbedingungen, etwa bei Mietverhältnissen oder Wohnungseigentümergemeinschaften, aber auch technische Fragen wie die Hausverkabelung oder der Übergabepunkt im Gebäude.
Information allein reicht nicht
Ein Fazit lässt sich aus den Antworten klar ziehen: Mehr Information allein wird die Anschlussquote kaum entscheidend erhöhen. Die Befragten wünschen sich vor allem überzeugendere Angebote. Aspekte wie zuverlässige Qualität, flexible Vertragsmodelle und ein klar nachvollziehbarer Nutzen spielen eine größere Rolle als zusätzliche Werbemaßnahmen.
Wenn die Glasfaser in Wehr künftig stärker genutzt werden soll, wird es daher weniger um das „Ob“, sondern vielmehr um das „Warum“ gehen müssen. Nur wenn der Mehrwert im Alltag spürbar wird, dürfte sich die Zurückhaltung vieler Haushalte nachhaltig ändern.
