Glasfaser: Schimak äußert sich, aber liegt die Schuld wirklich bei den Bürgern?

18.05.2026

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Die geringe Anschlussquote beim Glasfasernetz in Wehr ist ein Problem. Aber sie lässt sich nicht allein den Bürgerinnen und Bürgern zuschieben. Wer mehr Nutzung will, muss auch fragen, ob Angebot, Anbieterwahl und politische Steuerung überzeugend genug sind.

Berichten zufolge liegt die Anschlussquote beim kommunalen Glasfasernetz in Wehr weiterhin deutlich unter den Erwartungen. Von rund 3000 möglichen Haushalten sollen bis Ende 2025 erst etwas mehr als 300 tatsächlich angeschlossen gewesen sein. Das entspricht etwa zehn Prozent. Wirtschaftlich tragfähig wäre das Netz demnach erst ab deutlich mehr als 1200 Anschlüssen.

Bürgermeister Denis Schimak zeigt sich darüber verärgert. Nachvollziehbar ist das zunächst: Die Stadt hat viel Geld, politische Energie und Verwaltungskraft in den Glasfaserausbau gesteckt. Wenn dann nur wenige Haushalte mitmachen, entsteht ein finanzielles Problem. Doch genau an diesem Punkt beginnt die politische Debatte erst.

Denn die entscheidende Frage lautet nicht nur: Warum schließen sich so wenige Bürgerinnen und Bürger an?

Die ebenso wichtige Frage lautet: Warum überzeugt das Angebot offenbar so wenige Menschen?

Bürger sind nicht automatisch Verweigerer

In der öffentlichen Debatte klingt es schnell so, als hätten die Bürgerinnen und Bürger erst schnelles Internet gefordert und wollten nun nicht mitmachen. Das ist als zugespitzte Kritik verständlich, aber politisch zu einfach.

Ein Glasfaseranschluss ist für viele Haushalte keine rein technische Entscheidung. Viele haben funktionierende DSL- oder Kabelanschlüsse. Viele sind vertraglich gebunden. Viele nutzen Kombipakete, Mobilfunkrabatte, gewohnte E-Mail-Adressen oder Servicebeziehungen bei bestehenden Anbietern. Und viele fragen sich nüchtern: Was bringt mir der Wechsel konkret, wenn mein Internet heute für Streaming, Homeoffice und Alltag ausreicht?

Das mag aus Sicht der Stadt frustrierend sein. Es ist aber kein irrationales Verhalten. Es ist Marktverhalten.

Genau das wurde in Wehr offenbar unterschätzt: Verlegte Infrastruktur erzeugt noch keine Nachfrage. Ein Anschluss im Boden ist noch kein gebuchter Vertrag.

Schimaks Kritik trifft den falschen Punkt

Der Bürgermeister hat recht, wenn er sagt: Die geringe Quote ist wirtschaftlich problematisch. Ein kommunales Glasfasernetz kann nicht dauerhaft funktionieren, wenn es kaum gebucht wird.

Aber seine Kritik greift zu kurz, wenn sie vor allem bei den Bürgerinnen und Bürgern landet.

Denn die Stadt ist nicht nur enttäuschte Zuschauerin. Sie ist politisch mitverantwortlich für dieses Projekt. Sie hat den Eigenbetrieb gegründet. Sie hat den Ausbau getragen. Sie muss deshalb auch erklären, wie die Vermarktung gesteuert wird, welche Anbieter aktiv eingebunden werden sollen und warum die bisherigen Maßnahmen nicht ausreichen.

Wer von den Bürgern Unterstützung verlangt, muss ihnen auch ein überzeugendes Angebot machen.

Dazu gehören transparente Kosten, verständliche Vorteile, echte Anbieterwahl und eine klare Kommunikation. Es reicht nicht, allgemein das Hohelied der Glasfaser zu singen. Die Menschen müssen wissen, warum sie jetzt wechseln sollen, was sie konkret bekommen und welche Alternativen sie haben.

Mehr Werbung allein wird nicht reichen

Schimak will offenbar stärker für den Anschluss werben. Bürgerversammlungen und öffentliche Auftritte können helfen. Aber Werbung ersetzt keine strukturelle Verbesserung.

Wenn Menschen keinen passenden Anbieter finden, hilft auch die beste Informationsveranstaltung nur begrenzt. Wenn Preise, Vertragsbedingungen oder Wechselhürden nicht überzeugen, bleibt der Anschluss ungenutzt. Wenn Bürger das Gefühl haben, sie sollen ein kommunales Defizit ausgleichen, entsteht eher Abwehr als Begeisterung.

Die Stadt muss deshalb weg vom Vorwurf und hin zur Analyse.

Nicht: Warum machen die Bürger nicht endlich mit?

Sondern: Was müssen Stadt, Betreiber und Anbieter ändern, damit mehr Bürger freiwillig mitmachen wollen?

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