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Handwerk trifft Politik: Was hat das Handwerk bei den Direktkandiaten aus Waldshut zu erwarten?

27.01.2026

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Das Handwerk im Landkreis Waldshut steht vor tiefgreifenden Herausforderungen. Bürokratische Anforderungen, Fachkräftemangel, steigende Energiepreise, Digitalisierung, Mobilität im ländlichen Raum und konjunkturelle Unsicherheiten prägen den Alltag vieler Betriebe.

Die Landtagswahl am 8. März ist daher auch für das regionale Handwerk von besonderer Bedeutung.

Ein Blick auf die Positionen der Direktkandidaten Simon Herzog (CDU), Niklas Nüssle (Bündnis 90/Die Grünen), Nathalie Wagner (FDP) und Matthias Jehle (AfD) zeigt deutlich unterschiedliche politische Antworten auf diese Themenfelder.

CDU: Verlässliche Rahmenbedingungen und wirtschaftliche Stabilität

Simon Herzog von der CDU versteht das Handwerk als tragende Säule der regionalen Wirtschaft. Sein Ansatz ist stark ordnungspolitisch geprägt. Bürokratieabbau, verlässliche Genehmigungsverfahren und Planungssicherheit stehen im Mittelpunkt. Staatliche Regulierung soll aus seiner Sicht dort zurückgenommen werden, wo sie Investitionen und betriebliche Entwicklung hemmt.

In der Digitalisierung sieht Herzog eine zentrale Voraussetzung für Wettbewerbsfähigkeit. Der Ausbau digitaler Infrastruktur, digitale Verwaltungsprozesse und der Einsatz neuer Technologien sollen insbesondere kleinen und mittleren Betrieben zugutekommen. Bildung und Fachkräftesicherung werden vor allem über Ausbildung, Qualifizierung und die Stärkung des dualen Systems gedacht.

In der Energie- und Klimapolitik verfolgt Herzog einen pragmatischen Ansatz. Nachhaltigkeit soll wirtschaftlich umsetzbar bleiben, ohne das Handwerk mit zusätzlichen Auflagen zu überfordern. Infrastruktur und Mobilität – insbesondere Straßen, Schiene und digitale Netze – gelten ihm als Grundvoraussetzung für wirtschaftliche Entwicklung im ländlichen Raum.

In konjunkturell unsicheren Zeiten setzt Herzog auf Stabilität, Investitionsfreundlichkeit und eine Politik, die Betriebe nicht zusätzlich belastet.

Bündnis 90/Die Grünen: Transformation und langfristige Planung

Niklas Nüssle von den Grünen betrachtet das Handwerk vor allem als zentralen Akteur der ökologischen Transformation. Nachhaltigkeit und Energiewende stehen im Zentrum seines politischen Ansatzes. Handwerksbetriebe sollen eine Schlüsselrolle bei energetischer Sanierung, erneuerbaren Energien und klimafreundlicher Infrastruktur übernehmen.

Bürokratieabbau spielt in seinem Ansatz eine untergeordnete Rolle. Stattdessen setzt Nüssle auf klare, langfristige Regeln, die Planungssicherheit im Rahmen der Energiewende schaffen sollen. Digitalisierung versteht er als Werkzeug, um Verwaltung effizienter zu machen und Mobilität sowie Infrastruktur im ländlichen Raum zu verbessern.

Bildung und Fachkräftemangel werden als strukturelle Herausforderungen gesehen, die nur durch langfristige Investitionen in Ausbildung, Mobilität und Lebensqualität gelöst werden können. Der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs ist dabei ein zentrales Element, um Arbeitskräfte auch grenzüberschreitend besser zu erreichen.

Konjunkturpolitisch setzen die Grünen weniger auf kurzfristige Entlastungen, sondern auf nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung, die Krisenresilienz schafft.

FDP: Freiheit, Entlastung und Eigenverantwortung

Nathalie Wagner von der FDP vertritt einen klar wirtschaftsliberalen Ansatz. Bürokratieabbau ist für sie eines der zentralen Themen. Staatliche Vorgaben und Dokumentationspflichten sollen reduziert, Verfahren vereinfacht und Verwaltung effizienter werden. Das Handwerk soll mehr unternehmerische Freiheit erhalten.

Digitalisierung gilt Wagner als Schlüsselthema – sowohl für Betriebe als auch für die öffentliche Verwaltung. Sie sieht in digitalen Prozessen vor allem Effizienzgewinne und Kostenersparnis. Bildung und Fachkräftemangel betrachtet sie primär aus wirtschaftlicher Perspektive: Gute Rahmenbedingungen und Wachstum sollen den Arbeitsmarkt stabilisieren.

In der Energie- und Klimapolitik setzt Wagner auf marktwirtschaftliche Instrumente wie den Emissionshandel. Staatliche Förderprogramme und detaillierte Vorgaben lehnt sie weitgehend ab. Für Handwerksbetriebe bedeutet dieser Ansatz größere Freiheit, aber auch mehr Eigenverantwortung bei Investitionsentscheidungen.

In konjunkturell schwierigen Zeiten setzt die FDP auf Haushaltsdisziplin, stabile Finanzen und wirtschaftliche Dynamik statt staatlicher Eingriffe.

AfD: Ablehnung von Auflagen und staatlicher Steuerung

Matthias Jehle von der AfD positioniert sich vor allem kritisch gegenüber staatlicher Regulierung. Bürokratie, Klimaschutzauflagen und politische Vorgaben werden von ihm als zentrale Belastung für das Handwerk benannt. Sein Ansatz zielt auf eine weitgehende Reduzierung staatlicher Eingriffe.

Digitalisierung, Bildung und Fachkräftemangel spielen in seinen öffentlichen Positionen eine geringere Rolle. Konkrete Konzepte zur Ausbildungssicherung oder zur langfristigen Fachkräftegewinnung bleiben weitgehend offen. Auch zur Energiewende lehnt Jehle politische Steuerung ab und stellt bestehende Maßnahmen infrage.

Infrastruktur und Mobilität werden eher aus einer kritischen Haltung gegenüber politischen Prioritäten thematisiert als über konkrete Ausbau- oder Finanzierungsmodelle. In konjunkturellen Krisen fokussiert sich der Ansatz auf Ablehnung staatlicher Eingriffe, ohne detaillierte wirtschaftspolitische Alternativen aufzuzeigen.

Vier Parteien, vier unterschiedliche Erwartungen

Für das Handwerk im Landkreis Waldshut zeigt sich ein breites politisches Spektrum.

  • Die CDU setzt auf Stabilität, Planungssicherheit und wirtschaftsfreundliche Rahmenbedingungen.
  • Die Grünen sehen das Handwerk als Motor der nachhaltigen Transformation.
  • Die FDP betont Freiheit, Eigenverantwortung und Entlastung von staatlichen Vorgaben.
  • Die AfD konzentriert sich vor allem auf die Kritik bestehender Regulierungen.

Welche dieser politischen Linien den Bedürfnissen der Handwerksbetriebe am ehesten entspricht, hängt stark von deren individueller Lage ab. Die Landtagswahl ist damit auch eine Richtungsentscheidung darüber, ob das Handwerk stärker über staatliche Steuerung, marktwirtschaftliche Freiheit, langfristige Transformation oder grundlegende Ablehnung politischer Eingriffe begleitet werden soll.

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