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Jehle und Besemann: Themen und Demokratie – zwei Welten treffen aufeinander

21.01.2026

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Im Wahlkreis Waldshut treten bei der Landtagswahl am 8. März mit Matthias Jehle (AfD) und Julian Besemann (Die Linke) zwei Direktkandidaten an, deren politische Ansätze unterschiedlicher kaum sein könnten.

Der Vergleich ihrer Themen, ihres Demokratieverständnisses und ihrer Wahlkampfstrategien zeigt exemplarisch, wie weit politische Positionen und politische Kultur mittlerweile auseinanderliegen.

Unterschiedliche Zugänge zur Demokratie

Beide Kandidaten berufen sich in ihren öffentlichen Aussagen auf demokratische Grundwerte. In der praktischen Ausgestaltung zeigen sich jedoch deutliche Unterschiede.

Julian Besemann versteht Demokratie als fortlaufenden Beteiligungsprozess. Bürgerräte, direkte Mitbestimmung und politische Teilhabe auch jenseits parlamentarischer Gremien stehen im Zentrum seines Ansatzes. Demokratie wird dabei als etwas verstanden, das erweitert und vertieft werden soll.

Matthias Jehle hingegen betont Demokratie vor allem als Ausdruck von Mehrheitsverhältnissen und politischer Macht. In seinem politischen Auftreten – etwa im Gemeinderat von Wehr – zeigt sich eine  Ablehnung von Mehrheitsentscheidungen, wenn diese nicht der eigenen politischen Linie entsprechen. Darunter kann man eine Strategie der Delegitimierung bestehender demokratischer Prozesse verstehen.

Inhalte versus Zuspitzung

Auch thematisch treten klare Gegensätze zutage. Besemann setzt auf klassische sozialpolitische Kernthemen: soziale Absicherung, Pflege, Klimagerechtigkeit, öffentliche Infrastruktur und demokratische Teilhabe. Seine Forderungen sind programmatisch eingebettet und folgen einer konsistenten politischen Linie. Ziel ist es, staatliche Verantwortung auszubauen und soziale Ungleichheiten auszugleichen.

Jehles politische Positionen sind deutlich stärker auf Zuspitzung ausgerichtet. Schlagworte wie „Remigration“ oder pauschale Kritik an Klimaschutzmaßnahmen stehen im Vordergrund. Konkrete Ausarbeitungen oder eine systematische Auseinandersetzung mit Zielkonflikten bleiben häufig aus. Stattdessen richtet sich der Fokus auf Abgrenzung gegenüber anderen Parteien und Institutionen.

Wahlkampf als Spiegel politischer Haltung

Die Unterschiede zeigen sich besonders im Wahlkampf. Besemann setzt auf persönliche Gespräche, öffentliche Diskussionen und inhaltliche Argumentation. Sein Wahlkampf ist vergleichsweise leise, dialogorientiert und langfristig angelegt. Er zielt weniger auf kurzfristige Aufmerksamkeit als auf Überzeugung durch Inhalte.

Jehles Wahlkampf folgt dem bekannten Muster der AfD: Polarisierung, Provokation und bewusste Grenzverschiebung. Aufmerksamkeit wird gezielt durch Zuspitzung erzeugt. Politische Beobachter sehen darin eine Strategie, die weniger auf demokratische Gestaltung als auf Mobilisierung über Konflikte setzt.

Umgang mit politischen Gegnern

Ein weiterer zentraler Unterschied liegt im Umgang mit anderen politischen Akteuren. Besemann betont wiederholt die Notwendigkeit von Kompromissen und demokratischem Austausch, auch bei inhaltlichen Differenzen. Politische Gegner werden als Teil eines pluralistischen Systems verstanden.

Bei Jehle zeigt sich hingegen häufig eine grundsätzliche Abwertung anderer Parteien und Positionen. Diese Form der Konfrontation geht über klassische politische Auseinandersetzung hinaus und stellt für viele Beobachter eine Belastung für den demokratischen Diskurs dar.

Zwei politische Welten

Der direkte Vergleich von Matthias Jehle und Julian Besemann verdeutlicht, dass im Wahlkreis Waldshut nicht nur unterschiedliche politische Programme zur Wahl stehen, sondern auch zwei grundlegend verschiedene Vorstellungen davon, wie Politik gemacht werden sollte.

Auf der einen Seite ein sozialpolitisch geprägter Ansatz, der Demokratie erweitern, Beteiligung stärken und gesellschaftlichen Ausgleich schaffen will. Auf der anderen Seite ein konfrontativer Politikstil, der bestehende Institutionen infrage stellt und politische Auseinandersetzung vor allem als Machtkampf begreift.

Die Entscheidung der Wählerinnen und Wähler ist damit auch eine Entscheidung über politische Kultur, demokratische Praxis und den Umgang miteinander im parlamentarischen Raum.

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