Der Gewässerschutzbericht 2025 zeigt, wie sich der Betrieb der Kläranlage Wehr im vergangenen Jahr entwickelt hat. Die Anlage reinigt das Abwasser aus Wehr und Hasel sowie aus der Deponie Lachengraben. Insgesamt fällt die Bilanz positiv aus. Gleichzeitig wird aber deutlich, dass sich die Bedingungen für die Anlage spürbar verändern.
Weniger Abwasser und weniger Schmutzfracht
Im Jahr 2025 flossen rund 2,17 Millionen Kubikmeter Abwasser zur Kläranlage. Damit lag die Menge unter dem Niveau vieler Vorjahre. Gründe waren vor allem geringere Niederschläge sowie Maßnahmen, durch die weniger sogenanntes Fremdwasser in die Kanalisation gelangte.
Auch die Schließung der Papierfabrik Lenz machte sich deutlich bemerkbar. Mit ihr fiel ein großer industrieller Abwassereinleiter weg. Die Schmutzfracht sank gegenüber dem Vorjahr um rund 60 Tonnen. Für die Kläranlage bedeutet das allerdings nicht nur weniger Belastung, sondern auch veränderte Betriebsbedingungen.
Schon heute sind wegen der zurückgegangenen Belastung nur noch vier von neun biologischen Reinigungsstraßen in Betrieb. Langfristig stellt sich damit die Frage, wie die Anlage an die deutlich geringeren und anders zusammengesetzten Abwassermengen angepasst werden muss.
Gute Reinigungswerte – mit einer Schwäche beim Stickstoff
Die Reinigungsleistung blieb insgesamt hoch. Beim chemischen Sauerstoffbedarf, einem wichtigen Maß für organische Verschmutzungen, wurden 95,4 Prozent der Belastung entfernt. Beim Phosphor lag die Abbauleistung bei 91,1 Prozent.
Weniger günstig entwickelte sich dagegen der Stickstoffabbau. Er lag 2025 bei 72,4 Prozent und damit niedriger als in den Vorjahren. Im Bericht wird das mit veränderten Nährstoffverhältnissen erklärt. Die gemessenen Ablaufwerte lagen trotzdem unter den vorgeschriebenen Grenzwerten.
Auch die amtlichen Kontrollen bestätigten einen ordnungsgemäßen Betrieb. Das Landratsamt Waldshut ließ den Ablauf der Kläranlage 2025 sechsmal untersuchen. Dabei wurden die maßgeblichen Überwachungswerte eingehalten.
Deutlich weniger Strom aus dem Netz
Positiv fällt die Entwicklung beim Energieverbrauch aus. Insgesamt benötigte die Kläranlage 2025 rund 529.000 Kilowattstunden Strom.
Ein großer Teil davon wurde inzwischen selbst erzeugt. Zwei Blockheizkraftwerke lieferten rund 308.000 Kilowattstunden, die Photovoltaikanlage weitere gut 86.000 Kilowattstunden. Aus dem öffentlichen Stromnetz mussten deshalb nur noch knapp 139.000 Kilowattstunden bezogen werden.
Zum Vergleich: 2019 lag der Netzbezug noch bei mehr als 690.000 Kilowattstunden. Vollständig unabhängig vom Stromnetz ist die Kläranlage damit aber weiterhin nicht.
Chemikalien und Klärschlamm bleiben Thema
Für die Abwasserreinigung wurden 2025 rund 101 Tonnen Eisenchlorid eingesetzt. Der Verbrauch lag damit leicht über dem langjährigen Mittel. Beim Hilfsmittel für die Schlammentwässerung ging der Verbrauch dagegen etwas zurück.
Auch die Menge des zu entsorgenden Klärschlamms sank. Insgesamt wurden 813 Tonnen abgefahren, 78 Tonnen weniger als im Vorjahr. Der Schlamm wurde nach Frankfurt am Main transportiert und dort thermisch verwertet.
Reparaturen am Kanalnetz
Parallel zum Betrieb der Kläranlage wurden auch Schäden im Kanalnetz beseitigt. Betroffen waren Bereiche in Breitmatt, Niederwehr, Lind und Klosterhof. Ziel der Arbeiten ist unter anderem, den Anteil von Fremdwasser weiter zu reduzieren.
Größere Störungen gab es 2025 laut Bericht nicht. Es wurden keine Ereignisse registriert, die die Qualität des gereinigten Abwassers beeinträchtigt und den Rhein außergewöhnlich belastet hätten.
Solider Betrieb, aber veränderte Zukunft
Insgesamt zeigt der Bericht eine zuverlässig arbeitende Kläranlage mit guten Reinigungswerten und deutlich geringerem Strombezug. Gleichzeitig wird sichtbar, dass der Wegfall industrieller Abwässer und die veränderte Zusammensetzung des Abwassers neue Fragen aufwerfen. Vor allem der rückläufige Stickstoffabbau und die langfristige Anpassung der Anlage an geringere Belastungen dürften deshalb auch in den kommenden Jahren ein Thema bleiben.
