Lässt sich mit Verboten und alten Denkweisen die Innenstadt in Wehr stärken?

20.09.2025

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Die Diskussion um die Zukunft der Wehr’schen Innenstadt spitzt sich zu.

Zwischen ehrgeizigen Klimazielen, wirtschaftlichen Sorgen des Handels und neuen städtebaulichen Vorgaben wird deutlich: Man hält an tradierten Denkmustern fest, während Fachgutachten längst in eine andere Richtung weisen. 

Die Servicegemeinschaft als Bewahrer alter Strukturen

Bei den Mitgliederversammlungen betonen Händler immer wieder die Bedeutung des motorisierten Individualverkehrs für die Erreichbarkeit. Probleme des stationären Handels – vom Online-Konkurrenzdruck bis zum veränderten Konsumverhalten – werden zwar erkannt, aber in erster Linie wird vor neuen Regulierungen gewarnt.

So entsteht der Eindruck, dass die Servicegemeinschaft die Bedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger – also der potenziellen Kunden – kaum in den Blick nimmt. Statt Aufenthaltsqualität stehen Parkplätze im Mittelpunkt.

Das Mobilitätskonzept als Expertenforderung

Das Mobilitätskonzept 2024 stellt dem bisherigen Vorgehen ein klares Zeugnis aus: Die Straßenräume sind überdimensioniert für Autos, während Rad- und Fußverkehr an den Rand gedrängt werden. 

Die Angebote für Fuß- und Radverkehr sind mangelhaft: keine durchgängigen Netze, fehlende Querungen, unzureichende Abstellanlagen. Auch der ÖPNV ist nicht konkurrenzfähig, da Taktung und Barrierefreiheit fehlen.

Das Konzept ist eindeutig: Ohne Flächenumverteilung und Verkehrsberuhigung ist eine Aufwertung der Innenstadt nicht erreichbar.

Gemeinderat und Verbote in den Gewerbegebieten

Mit dem Bebauungsplan „Ausschluss von Nutzungen in Gewerbegebieten“ will die Stadt einen deutlichen Schritt gehen. Einzelhandelsbetriebe in Gewerbegebieten sollen untersagt werden. 

Konfliktlinien zwischen Mut und Angst

Die Servicegemeinschaft kritisiert Experteneinschätzungen als „Verbote“ und fürchtet zusätzliche Belastungen.

Gleichzeitig macht das Mobilitätskonzept deutlich, dass Wehr auch im Zentrum mutige Schritte gehen muss – von Tempo-30-Zonen bis zur Umgestaltung der Hauptstraße in einen Aufenthaltsraum.

Die Diskussionen zeigen ein Spannungsfeld: Händler wollen den Status quo erhalten, Experten empfehlen eine radikale Umverteilung von Raum und Prioritäten, der Gemeinderat soll Eingriffe beschließen, um schnell Fakten zu schaffen.


Die aktuelle Lage zeigt, dass alte Denkweisen und reine Verbote weder die Innenstadt noch die Gewerbegebiete nachhaltig stärken.

Während die Stadt mit Ausschlüssen im Gewerbegebiet Ordnung schaffen will, bleiben die entscheidenden Fragen zur Innenstadt offen: Wie schaffen wir Aufenthaltsqualität, die Bürger wirklich in die Innenstadt zieht?

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