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Landtagswahl: Die Schwachstellen der Positionen von Simon Herzog (CDU)

14.02.2026

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Simon Herzog (CDU) setzt in seinem politischen Profil stark auf wirtschaftliche Themen. Industrie, Wettbewerbsfähigkeit, Fachkräfte und Infrastruktur bilden den Kern seiner Argumentation.

Gerade in einer wirtschaftlich geprägten Region wie dem Hochrhein ist das nachvollziehbar. Doch bei genauerem Hinsehen zeigen sich in seinen Positionen mehrere Schwachstellen.

Einseitiger Fokus auf Wirtschaft

Herzog stellt wirtschaftliche Stärke ins Zentrum nahezu aller politischen Überlegungen. Die Annahme dahinter: Wenn Unternehmen erfolgreich sind, profitieren automatisch auch Gesellschaft, Bildung und Gesundheitswesen. Dieses Denken folgt einer klassischen Angebotslogik – erst Wachstum, dann Verteilung.

Problematisch ist dabei, dass soziale Fragen, Klimaschutz und gesellschaftlicher Zusammenhalt nicht lediglich „Folgen“ einer funktionierenden Wirtschaft sind, sondern eigenständige politische Aufgaben. Wer politische Prioritäten fast ausschließlich vom wirtschaftlichen Erfolg abhängig macht, riskiert, andere Handlungsfelder strukturell nachzuordnen.

Vereinfachte Ursachenanalyse bei Standortfragen

Herzog warnt vor Produktionsverlagerungen ins Ausland und sieht vor allem Energiepreise, Fachkräftemangel und Bürokratie als Ursachen. Diese Faktoren spielen zweifellos eine Rolle. Allerdings sind globale Produktionsentscheidungen deutlich komplexer: internationale Märkte, strategische Konzernentscheidungen, geopolitische Entwicklungen und Automatisierung beeinflussen Standorte mindestens ebenso stark.

Die politische Handlungsmacht auf Landesebene ist hier begrenzt. Wer suggeriert, mit einigen Stellschrauben ließen sich globale Trends aufhalten, bleibt eine realistische Einordnung schuldig. Strukturwandel lässt sich nicht einfach verhindern – er muss aktiv gestaltet werden.

Fachkräftemangel: Zu enger Blick auf Bildung

Die Forderung, berufliche Ausbildung zu stärken und gesellschaftlich aufzuwerten, ist grundsätzlich sinnvoll. Dennoch greift Herzogs Ansatz zu kurz, wenn er das Problem primär als Bildungsfrage behandelt.

Fachkräftemangel ist auch ein Ergebnis von Arbeitsbedingungen, Bezahlung, Wohnraumsituation und Zuwanderungspolitik. Gerade im ländlichen Raum sind hohe Lebenshaltungskosten, mangelnde Kinderbetreuung oder lange Pendelzeiten entscheidende Faktoren. Ohne eine umfassende Strategie bleibt die Stärkung der Ausbildung nur ein Teil der Lösung.

Infrastruktur als Standortinstrument

Herzog betont die Bedeutung von Infrastruktur – von Gesundheitsversorgung bis Verkehr. Das sind wichtige Themen für die Region. Allerdings erscheint Infrastruktur bei ihm vor allem als Mittel zur Stärkung des Standorts.

Dabei ist sie mehr als ein wirtschaftliches Werkzeug: Sie betrifft Lebensqualität, Chancengleichheit und soziale Teilhabe. Zudem fehlt bislang eine klare Aussage zur Finanzierung und Priorisierung. Angesichts knapper öffentlicher Mittel muss Politik erklären, welche Projekte Vorrang haben und wie sie umgesetzt werden sollen.

Fehlende ökologische Perspektive

Auffällig ist, dass ökologische Fragen in Herzogs Schwerpunktsetzung kaum sichtbar sind. Industriepolitik und Klimaschutz stehen jedoch nicht im Widerspruch – sie müssen zusammengedacht werden. Zukunftsfähige Wirtschaftspolitik bedeutet auch, Innovationen in nachhaltigen Technologien zu fördern und Transformation aktiv zu begleiten.

Ohne klare Positionierung zu Energie- und Klimazielen bleibt offen, wie die Region langfristig wettbewerbsfähig und zugleich klimaverträglich aufgestellt werden soll.

Nicht weit genug gedacht

Die Positionen von Simon Herzog bleiben in zentralen Punkten verkürzt: Die Ursachen globaler Entwicklungen werden vereinfacht, soziale und ökologische Aspekte treten in den Hintergrund, konkrete Umsetzungsstrategien bleiben vage.

Für eine Region wie den Hochrhein braucht es mehr als wirtschaftspolitische Schlagkraft. Es braucht ein integriertes Konzept, das ökonomische Dynamik, soziale Verantwortung und ökologische Nachhaltigkeit gleichermaßen berücksichtigt. Genau hier liegen derzeit die Schwachstellen in Herzogs politischem Profil.

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