Am 8. März wählen die Bürgerinnen und Bürger in Baden-Württemberg einen neuen Landtag.
Im Landkreis Waldshut treten dabei sieben Direktkandidaten an. In unserer Serie „Landtagswahl Direktkandidaten“ werfen wir einen genaueren Blick auf die Kandidaten: Wer sind sie, wofür stehen sie – und wie ordnen sich ihre politischen Positionen ein?
Matthias Jehle von der AfD
Matthias Jehle tritt als Direktkandidat der AfD zur Landtagswahl an. Der Wehrer ist Mitglied des Gemeinderats in Wehr und nahm zuletzt an der Bürgermeisterwahl in der Stadt teil.
Jehle ist gemeinsam mit Andrea Zürcher Vorsitzender des AfD-Kreisverbands Waldshut. Der Landesverband der AfD Baden-Württemberg wird vom Verfassungsschutz beobachtet. Grund dafür ist der Verdacht auf rechtsextreme Bestrebungen innerhalb des Landesverbands. Diese Beobachtung wurde im März 2025 vom Verwaltungsgericht Stuttgart bestätigt, das eine Klage der AfD gegen die Einstufung abwies.
Wer ist er, wofür steht er?
Jehle betont in öffentlichen Aussagen wiederholt die Bedeutung demokratischer Werte. In der politischen Praxis zeigt sich jedoch ein Spannungsverhältnis zwischen diesem Anspruch und seinem Auftreten. Zwar erklärt er regelmäßig seine grundsätzliche Bereitschaft zur Zusammenarbeit, zugleich vertritt er Positionen, die andere politische Auffassungen deutlich abwerten oder als grundsätzlich falsch darstellen. Dies erschwert einen offenen Dialog auf Augenhöhe.
Auch im Gemeinderat von Wehr lässt sich dieses Muster beobachten. Bei Themen, die Jehle ablehnt – unter anderem im Bereich Klimaschutz und bei damit verbundenen Anforderungen – äußert er grundsätzliche Kritik und fordert deren Rücknahme, selbst dann, wenn entsprechende Maßnahmen zuvor demokratisch und mehrheitlich beschlossen wurden.
Eine aktive Mitgestaltung bestehender Beschlüsse tritt dabei in den Hintergrund. Dies zeigt eine begrenzte Bereitschaft, Mehrheitsentscheidungen nicht nur formal anzuerkennen, sondern konstruktiv umzusetzen.
Wofür Matthias Jehle politisch konkret steht, bleibt schwer greifbar. Seine öffentlichen Auftritte und Stellungnahmen orientieren sich häufig an parteitypischen Schlagworten und zugespitzten Forderungen. Konkrete Auswirkungen oder mögliche Nachteile dieser Forderungen werden nur selten thematisiert. Dies führt zu dem Eindruck, dass politische Positionen primär zur Abgrenzung von anderen Parteien und Institutionen genutzt werden.
Sein Wahlkampf
Im Kommunalwahlkampf 2024 trat Jehle gemeinsam mit Andreas Wernle und Steffi Hartwig auf AfD-Wahlplakaten zur Gemeinderatswahl in Wehr auf.
Im Bürgermeisterwahlkampf 2025 erklärte Jehle unter anderem, ein Wahlerfolg der AfD in einem Bundesland könne die Bewertung des Landesverbands durch den Verfassungsschutz infrage stellen. Diese Aussage ist, demokratisch betrachtet, kritisch einzuordnen, da die Einstufung des Verfassungsschutzes unabhängig von Wahlergebnissen erfolgt und sich an inhaltlichen und strukturellen Kriterien orientiert.
Im Umfeld früherer Wahlkämpfe, insbesondere bei den öffentlichen Auftritten von Andreas Wernle, kam es zudem zu Aktivitäten in sozialen Medien, bei denen unter Pseudonymen andere Parteien, politische Gegner und gesellschaftliche Gruppen scharf angegriffen wurden. Die dort veröffentlichten Beiträge und Kommentare reichten von pauschaler Delegitimierung demokratischer Parteien bis hin zu beleidigenden und abwertenden Äußerungen gegenüber Menschen mit Migrationsgeschichte. Eine öffentliche Abgrenzung von diesen Inhalten durch Jehle ist bislang nicht bekannt.
Zum Auftakt des aktuellen Landtagswahlkampfs wird Jehle mit dem Begriff „Remigration“ beworben. Der Begriff wird überwiegend im rechtsextremen Spektrum verwendet. Er steht für Konzepte ethnisch definierter Gesellschaften und wird häufig mit Forderungen nach Vertreibung oder Ausweisung in Verbindung gebracht. Eine inhaltliche Einordnung oder Distanzierung zu dieser Begrifflichkeit erfolgte bislang nicht.
Der Wahlkampf von Matthias Jehle richtet sich damit auch an Wählergruppen, die bestehenden politischen Institutionen und demokratischen Verfahren kritisch oder ablehnend gegenüberstehen. Konkrete landespolitische Inhalte, die auf einen praktischen Nutzen für Bürgerinnen und Bürger abzielen, demokratische Prozesse stärken oder gesellschaftlichen Ausgleich fördern, bleiben bislang weitgehend offen.
Jehle steht damit für einen Politikstil, der stark auf Konfrontation und Zuspitzung setzt. Ob dieser Ansatz zu einer konstruktiven politischen Arbeit im Landtag beitragen kann, ist eine der zentralen Fragen dieser Wahl.
