Am 8. März wählen die Bürgerinnen und Bürger in Baden-Württemberg einen neuen Landtag.
Im Landkreis Waldshut treten dabei sieben Direktkandidatinnen und Direktkandidaten an. In unserer Serie „Landtagswahl-Direktkandidaten“ werfen wir einen genaueren Blick auf die Bewerber: Wer sind sie, wofür stehen sie – und wie ordnen sich ihre politischen Positionen ein?
Nathalie Wagner (FDP)
Nathalie Wagner tritt für die FDP als Direktkandidatin im Wahlkreis Waldshut an. Die 1994 in Ingolstadt geborene Politikerin ist stellvertretende Kreisvorsitzende der FDP in Waldshut. Beruflich arbeitet sie im Technologie-Consulting mit Schwerpunkt auf Daten und Künstliche Intelligenz.
Ihre Familiengeschichte prägt ihr politisches Selbstverständnis: Die Familie stammt aus Siebenbürgen in Rumänien und floh vor der sozialistischen Diktatur nach Deutschland. In ihren öffentlichen Aussagen leitet Wagner daraus eine starke Betonung individueller Freiheit, Eigenverantwortung und sozialer Marktwirtschaft ab.
Wer ist sie, wofür steht sie?
Inhaltlich vertritt Nathalie Wagner eine klar wirtschaftsliberale Linie. Im Zentrum steht für sie die soziale Marktwirtschaft als Grundlage für Wohlstand, soziale Sicherheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Staatliche Eingriffe betrachtet sie kritisch, insbesondere dann, wenn sie aus ihrer Sicht Innovation hemmen oder wirtschaftliche Dynamik bremsen.
In der Wirtschafts- und Finanzpolitik spricht sich Wagner für eine strikte Haushaltsdisziplin aus. Die Schuldenbremse soll in ihrer jetzigen Form erhalten bleiben. Eine Vermögenssteuer sowie eine deutliche Anhebung des Mindestlohns lehnt sie ab. Stattdessen setzt sie auf Wachstum, Produktivität und gute Rahmenbedingungen für Unternehmen – insbesondere für den Mittelstand.
Steuerpolitisch fordert Wagner eine Entlastung der Bürgerinnen und Bürger. Sie kritisiert hohe Abgaben bei gleichzeitig aus ihrer Sicht unzureichender staatlicher Leistungsfähigkeit und plädiert für einen schlankeren, effizienteren Staat. Weitere Steuererhöhungen lehnt sie ab.
In der Sozialpolitik vertritt sie einen ordnungspolitischen Ansatz. Sie befürwortet eine Verpflichtung zu gemeinnütziger Arbeit für Empfänger von Bürgergeld. Modelle einer Bürgerversicherung oder eine verpflichtende Einbeziehung privat Versicherter in die gesetzliche Krankenversicherung lehnt sie ab.
Gesellschaftspolitisch positioniert sich Wagner liberal. Sie spricht sich für die Abschaffung der Strafbarkeit von Schwangerschaftsabbrüchen (§ 218) aus und unterstützt stärkere Transparenzregeln für Lobbyarbeit, etwa durch die verpflichtende Offenlegung politischer Treffen im Lobbyregister.
In der Migrations- und Europapolitik vertritt sie eine kontrollorientierte Linie. Asylverfahren sollen außerhalb der EU durchgeführt werden. Gleichzeitig spricht sie sich für staatlich organisierte Seenotrettung aus und sieht diese als staatliche Aufgabe.
Verkehrs- und Klimapolitisch setzt Wagner auf marktwirtschaftliche Instrumente. Ein generelles Tempolimit auf Autobahnen lehnt sie nicht ausdrücklich ab, positioniert sich jedoch neutral. Staatliche Förderungen für erneuerbare Energien sollen schrittweise zurückgefahren werden. Den europäischen Emissionshandel betrachtet sie als zentrales und effektives Klimaschutzinstrument.
In der Sicherheits- und Verteidigungspolitik unterstützt Wagner eine deutliche Stärkung der Bundeswehr. Sie befürwortet Verteidigungsausgaben in Höhe von mindestens drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts, lehnt jedoch eine allgemeine Wehrpflicht ab.
Ihr Wahlkampf
Der Wahlkampf von Nathalie Wagner ist stark programmatisch und argumentativ ausgerichtet. Im Mittelpunkt stehen wirtschaftliche Vernunft, individuelle Freiheit und die Kritik an einem aus ihrer Sicht überdehnten Staat. Ihr Wahlkampf folgt damit einem klar liberalen Profil und unterscheidet sich deutlich von sozialpolitisch oder konfrontativ geprägten Kampagnen anderer Kandidaten.
Wagner setzt weniger auf emotionale Mobilisierung als auf politische Grundsatzargumente. Sie präsentiert ihren Wahlkampf als Angebot an Wählerinnen und Wähler, die Leistungsbereitschaft, Eigenverantwortung und wirtschaftliche Dynamik in den Vordergrund stellen. Ihr Leitspruch, Deutschland brauche eine „Chancen-Partei“, zieht sich durch ihre Kommunikation.
Inhaltlich verzichtet der Wahlkampf weitgehend auf regionale Einzelthemen und konzentriert sich stärker auf landes- und bundespolitische Grundsatzfragen. Wagner positioniert sich als Kandidatin, die strukturelle Reformen gegenüber kurzfristigen Einzelmaßnahmen priorisiert.
Insgesamt präsentiert sich der Wahlkampf von Nathalie Wagner als klar liberal, wirtschaftsorientiert und ideologisch konsistent. Er richtet sich insbesondere an Wählerinnen und Wähler, die staatliche Zurückhaltung, marktwirtschaftliche Lösungen und individuelle Freiheit als zentrale politische Leitlinien betrachten. Ob dieser Ansatz im sozial und strukturell vielfältigen Wahlkreis Waldshut ausreichend Resonanz findet, wird sich am Wahltag zeigen.
