Lokalpolitik im Sommerloch – und ein Unternehmen in Wehr geht mit gutem Beispiel voran

18.08.2026

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Das politische Sommerloch hat Wehr erreicht – in diesem Jahr sehr wörtlich. Zu viel Wärme trifft auf zu wenig Wasser. Quellen führen weniger Wasser, Wiesen und Wälder trocknen aus, die Brandgefahr steigt und landwirtschaftliche Erträge geraten unter Druck. Auch beim Wehrer Trinkwasser macht sich die Trockenheit bemerkbar: Verändert sich die Zusammensetzung des eingespeisten Wassers, kann es härter werden.

Die Entwicklung kommt nicht überraschend. Seit April 2025 liegt der Stadt ein 124 Seiten umfassendes Klimawandelanpassungskonzept mit rund 50 Maßnahmen vor. Empfohlen werden unter anderem öffentliche Trinkwasserstellen, mehr Schatten und Begrünung, entsiegelte Flächen, ein besseres Regenwassermanagement sowie Maßnahmen zum Hitze- und Waldbrandschutz.

Es fehlt also nicht an Erkenntnissen, sondern an sichtbarer Umsetzung.

Allgemeine Hinweise statt konkreter Maßnahmen

Bürgermeister Denis Schimak belässt es in einer Videoansprache in den sozialen Medien weitgehend bei allgemeinen Hinweisen zur „wettertechnischen Ausnahmesituation“. Appelle zur Vorsicht sind richtig. Sie ersetzen jedoch keine kommunale Klimaanpassungspolitik.

Gerade jetzt müsste die Stadt erklären, welche Maßnahmen aus dem Konzept bereits begonnen wurden: Wo entstehen Schattenplätze? Welche Flächen werden entsiegelt? Wie wird Regenwasser gespeichert? Welche öffentlichen Gebäude erhalten einen Hitzeschutz?

Seit April 2025 sind sichtbare Ergebnisse kaum zu erkennen. Ein Konzept schützt aber noch keinen Baum, füllt keinen Wasserspeicher und kühlt keinen öffentlichen Platz.

Gemeinderatsmitglied Matthias Jehle hat andere Sorgen

Während Hitze und Trockenheit konkrete Antworten verlangen, beschäftigt AfD-Politiker Matthias Jehle ein persönliches Geschäftserlebnis. In einem Social-Media-Beitrag berichtet er, ein Unternehmen aus Wehr habe nach einer Vertragsabsprache mitgeteilt, die vereinbarte Dienstleistung nicht erbringen zu wollen. Dies sei mit der persönlichen politischen Einstellung nicht vereinbar.

Das Unternehmen nennt Jehle nicht. Auch eine Stellungnahme des Betriebs liegt nicht vor. Der Vorgang kann daher nicht unabhängig überprüft werden.

Dennoch macht Jehle daraus eine grundsätzliche Erzählung über die Ausgrenzung „Andersdenkender“. Er fragt, ob künftig auch Lebensmittel, Energie oder Medikamente wegen einer politischen Haltung verweigert würden. Dieser Vergleich ist maßlos. Die Absage einer frei vereinbarten Dienstleistung durch ein privates Unternehmen ist nicht mit dem Ausschluss von existenzieller Versorgung gleichzusetzen.

Nicht bloß „andersdenkend“

Matthias Jehle ist nicht einfach ein Bürger mit einer privaten Meinung. Er ist Vorsitzender eines AfD-Kreisverbands im Wehrer Gemeinderat, war Bürgermeisterkandidat und trat als Landtagskandidat an. Damit ist er ein öffentlich handelnder politischer Akteur.

Wer Wahlkampf führt, politische Forderungen verbreitet und für eine Partei auftritt, muss damit rechnen, dass dieses Handeln bewertet wird. Menschen und Unternehmen dürfen daraus Konsequenzen ziehen. Das ist nicht automatisch undemokratische Ausgrenzung.

Demokratie garantiert das Recht, politische Positionen zu vertreten. Sie garantiert aber keinen Anspruch auf Zustimmung, gesellschaftliche Anerkennung oder eine Geschäftsbeziehung mit jedem privaten Unternehmen.

Auch die Verantwortlichen eines Betriebs haben Überzeugungen. Sie dürfen entscheiden, welche Aufträge sie mit ihren Werten und ihrer unternehmerischen Verantwortung vereinbaren können. Wer politische Freiheit für sich beansprucht, muss sie auch anderen zugestehen.

Ob die Absage in diesem konkreten Fall rechtlich, wirtschaftlich oder kommunikativ richtig war, lässt sich anhand von Jehles einseitiger Darstellung nicht beurteilen. Politisch verdient die Entscheidung dennoch Respekt, sofern sie tatsächlich aus einer nachvollziehbaren Haltung heraus getroffen wurde. Das Unternehmen wäre dann bereit gewesen, für seine Werte auf Umsatz zu verzichten.

Haltung zeigt sich im Handeln

So zeigt das Wehrer Sommerloch zwei unterschiedliche Arten, mit Verantwortung umzugehen.

Auf der einen Seite steht eine Stadt, die über ein umfangreiches Klimaanpassungskonzept verfügt, aber kaum sichtbare Fortschritte vorweisen kann. Auf der anderen Seite steht ein Unternehmen, das – jedenfalls nach Jehles Darstellung – eine klare Entscheidung getroffen und deren wirtschaftliche Folgen akzeptiert hat.

Man muss diese Entscheidung nicht teilen. Aber man sollte anerkennen: Haltung zeigt sich nicht in allgemeinen Videoansprachen oder großen Worten über Demokratie. Haltung zeigt sich dort, wo jemand nach seinen Überzeugungen handelt und bereit ist, die Verantwortung dafür zu tragen.

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