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Mehr Tempo beim Bauen, mehr Schutz für die Innenstadt

06.05.2026

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In der Gemeinderatssitzung am 12. Mai 2026 geht es um zwei Themen, die viele Menschen in Wehr betreffen können: schnellere Entscheidungen bei Bauvorhaben und neue Regeln für die Innenstadt. Beide Vorlagen drehen sich um dieselbe Grundfrage: Wie kann Wehr zusätzlichen Wohnraum ermöglichen, ohne den Ortskern zu schwächen?

Was der „Bauturbo“ ändern soll

Der sogenannte Bauturbo soll Bauverfahren beschleunigen. In Wehr bedeutet das zunächst nicht, dass überall einfacher gebaut werden darf. Die Stadtverwaltung will vor allem interne Abläufe straffen.

Bestimmte Bauvorhaben sollen künftig nicht mehr automatisch im Gremium beraten werden, sondern schneller durch den Bürgermeister entschieden werden können. Das betrifft unter anderem Vorhaben im bereits bebauten Innenbereich oder Fälle, in denen innerhalb eines Bebauungsplans einzelne Abweichungen nötig sind. Vorhaben im Außenbereich und Ausnahmen von Veränderungssperren bleiben dagegen weiterhin Sache des Gremiums.

Grund für die Änderung ist der gestiegene Zeitdruck im Baurecht. Wenn vollständige Unterlagen vorliegen und nicht rechtzeitig entschieden wird, kann ein Bauvorhaben unter Umständen automatisch als genehmigt gelten. Die Stadt will solche Situationen vermeiden.

Kein Freifahrtschein fürs Bauen

Die Verwaltung betont, dass der Bauturbo an Kriterien gebunden bleiben soll. Entscheidend ist unter anderem, ob wirklich Wohnraum entsteht, ob ein Vorhaben zum Stadtentwicklungskonzept passt, ob Nachbarn und öffentliche Belange berücksichtigt werden und ob das Projekt städtebaulich verträglich ist. Größere oder besonders relevante Vorhaben sollen weiterhin politisch beraten werden. Nach einem Jahr ist eine Überprüfung der neuen Praxis vorgesehen.

Warum die Innenstadt geschützt werden soll

Parallel plant die Stadt den Bebauungsplan „Stärkung Innenstadt“. Er betrifft vor allem die Achse vom Bahnhofplatz über die Hauptstraße bis zur Todtmooser Straße und Oberwehrgasse. Ziel ist es, wichtige Erdgeschossflächen für Läden, Gastronomie, Dienstleistungen, Büros und öffentliche oder soziale Nutzungen zu erhalten.

Hintergrund ist eine Entwicklung, die viele Innenstädte kennen: Frühere Laden- oder Gewerbeflächen im Erdgeschoss werden zu Wohnungen umgebaut. Für Eigentümer kann das sinnvoll sein. Für die Innenstadt kann es aber problematisch werden, wenn dadurch Schaufenster, Praxen, Cafés oder kleine Geschäfte verschwinden. Weniger sichtbare Angebote bedeuten weniger Laufkundschaft und weniger Leben im Zentrum.

Drei Bereiche mit unterschiedlichen Regeln

Der Bebauungsplan unterscheidet drei Zonen. In den wichtigsten Geschäftslagen soll Wohnen im Erdgeschoss künftig ausgeschlossen sein; erlaubt bleibt es ab dem ersten Obergeschoss. Bereits bestehende Erdgeschosswohnungen sollen Bestandsschutz genießen.

In einem rückwärtigen Bereich östlich der Todtmooser Straße setzt die Stadt dagegen ausdrücklich auf Wohnen. In Nebenlagen, wo Erdgeschosswohnungen schon heute verbreitet sind, soll Wohnen ebenfalls weiterhin möglich bleiben.

Ausgeschlossen werden im gesamten Plangebiet Nutzungen, die nach Ansicht der Stadt nicht zu einer lebendigen Innenstadt passen, darunter Vergnügungsstätten, bordellartige Betriebe, Fremdwerbung, größere Lagerflächen, Gartenbaubetriebe und Tankstellen.

Die politische Linie dahinter

Zusammen zeigen die beiden Vorlagen eine klare Richtung: Wehr will schneller Wohnraum ermöglichen, aber genauer steuern, wo Wohnen sinnvoll ist. Der Bauturbo soll Verfahren beschleunigen. Der Innenstadt-Bebauungsplan soll verhindern, dass die zentralen Erdgeschosse nach und nach ihre öffentliche Funktion verlieren.

Am Ende geht es nicht nur um Paragrafen, sondern um das Stadtbild der kommenden Jahre: mehr Wohnraum, aber auch eine Innenstadt, in der Menschen einkaufen, arbeiten, essen, sich begegnen und verweilen können.

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