Das Jugendhaus soll vom alten Bahnhofsgebäude in Öflingen in den Löwenkeller an der Hauptstraße umziehen. Für den Standort sprechen die zentrale Lage und die Nähe zum Bahnhof. Jugendliche können ihn leichter erreichen. Reaktionen in den sozialen Medien zeigen Vorfreude, aber auch konkrete Sorgen.
Vertrauliche Beratung, öffentliches Ergebnis
Dass der Gemeinderat zunächst nicht öffentlich über den Umzug beraten hat, ist ein normaler Vorgang. Mietverträge und laufende Verhandlungen berühren die Interessen privater Vertragspartner und können daher Vertraulichkeit erfordern.
Nach Abschluss der Verhandlungen muss die Stadt jedoch Rechenschaft ablegen. Bisher ist nicht bekannt, wie hoch die Miete ausfällt, wie lange der Vertrag läuft und wer notwendige Umbauten bezahlt. Auch Angaben zu Betriebskosten, Brandschutz, Barrierefreiheit und möglichen Verpflichtungen bei einer späteren Rückgabe der Räume fehlen.
Der Hinweis auf die hohen Sanierungskosten des bisherigen Jugendhauses genügt nicht. Erst ein Vergleich aller langfristigen Ausgaben zeigt, ob der Umzug tatsächlich wirtschaftlich ist. Wenn die Wehrer Politik Informationen zurückhält, weckt das erfahrungsgemäß selten Vertrauen. Sind einzelne Angaben noch geschützt, sollte wenigstens erklärt werden, weshalb und bis wann.
Jugendbeteiligung ohne sichtbares Ergebnis
Zur Begründung der Entscheidung verweist die Stadt auf einen Beteiligungsprozess. Dessen Ergebnisse wurden allerdings nicht veröffentlicht. Unbekannt ist, wie viele junge Menschen teilgenommen haben, wie sie auf die Stadtteile und Altersgruppen verteilt waren und welche Alternativen zur Auswahl standen.
Ebenso offen bleibt, ob sich eine Mehrheit ausdrücklich für den Löwenkeller entschieden hat oder nur allgemein für einen Treffpunkt im Zentrum. Beides ist nicht dasselbe. Wer den Willen der Jugendlichen als politisches Argument verwendet, muss das zugrunde liegende Verfahren nachvollziehbar darstellen.
Kurze Wege, aber ein Verlust für Öflingen
Für viele Jugendliche verbessert der neue Standort die Erreichbarkeit. Die Nähe zum Bahnhof ist besonders für diejenigen wichtig, die nicht im Zentrum wohnen. In den sozialen Medien wird deshalb auch gefragt, wann der Treffpunkt öffnet. Einen konkreten Termin gibt es bislang nicht.
Anders stellt sich die Lage für Öflingen dar. Der Stadtteil verliert mit dem bisherigen Jugendhaus einen etablierten Anlaufpunkt. Die dortigen Sportflächen sollen zwar erhalten bleiben, ersetzen aber keine betreute Einrichtung mit Aufenthaltsräumen, Angeboten und festen Ansprechpartnern.
Wohin mit Graffiti und Aktivitäten im Freien?
Das Bahnhofsgebäude wurde von Jugendlichen sichtbar geprägt. Seine Graffiti sind nicht bloß Dekoration, sondern Ausdruck der Aneignung eines eigenen Ortes. Im Löwenkeller wird sich zeigen, ob eine solche Mitgestaltung weiterhin erwünscht ist. Denkbar wären gestaltbare Innenräume oder ausdrücklich freigegebene Flächen für Graffiti.
Drängender ist die Situation außerhalb des Gebäudes. Am alten Standort bestehen Möglichkeiten für Sport und Aufenthalt im Freien. Im Zentrum ist der Platz begrenzter. Jugendliche werden sich dennoch vor der Tür treffen, reden, Musik hören und sich bewegen wollen.
Fehlt eine geeignete Außenfläche, verlagert sich das Geschehen zwangsläufig auf Gehwege und angrenzende Plätze. Daraus können Beschwerden über Lärm, größere Gruppen oder Verschmutzung entstehen. Das ist kein Grund, das Jugendhaus abzulehnen. Es verlangt aber nach einer räumlichen Lösung und einem frühzeitigen Austausch mit Anwohnern und Geschäften.
Jugend im Zentrum muss sichtbar sein dürfen
Der Löwenkeller kann zu einem attraktiven, gut erreichbaren Treffpunkt werden. Dafür reicht es nicht, Jugendlichen Räume zuzuweisen. Sie müssen den Ort mitgestalten und sich auch außerhalb des Gebäudes aufhalten dürfen, ohne vorschnell als Störung zu gelten. Erst dann wird sich zeigen, ob aus einer vielversprechenden Ankündigung ein tragfähiges Konzept wird.
