Wenn eine Stadt sparen muss, geraten freiwillige Leistungen schnell unter Druck. Dann stellt sich die Frage, was als verzichtbar gilt — und was trotz hoher Kosten weitergetragen wird.
Dabei geht es nicht darum, Kultur gegen Bäder auszuspielen. Ein Freibad oder Hallenbad hat für eine Stadt einen großen Wert: für Kinder, Familien, Vereine, Schulen, Gesundheit, Freizeit und Begegnung. Auch Kultur erfüllt viele dieser Funktionen: Sie schafft Öffentlichkeit, Identität, Teilhabe und Orte des Zusammenkommens.
Gerade deshalb ist der Vergleich interessant. Denn er zeigt, wie unterschiedlich freiwillige Angebote behandelt werden können.
Die Bäder sind fest eingeplant
Der Wirtschaftsplan 2026 des Eigenbetriebs Energie, Wasser, Bäder zeigt sehr deutlich, welchen Stellenwert die Bäder in der kommunalen Planung haben. Die Betriebssparte Bäder umfasst Frei- und Hallenbad. Für 2026 werden dort Erträge von 180.000 Euro und Aufwendungen von 870.000 Euro angesetzt. Daraus ergibt sich ein geplanter Verlust von 690.000 Euro.
Das ist kein einmaliger Ausreißer. Auch in den Folgejahren bleiben die geplanten Verluste hoch: Für 2027 werden 680.000 Euro Verlust erwartet, für 2028 675.000 Euro und für 2029 685.000 Euro. Die Bäder bleiben also dauerhaft ein erheblicher Zuschussbereich.
Trotzdem werden sie nicht grundsätzlich infrage gestellt. Sie sind organisatorisch im Eigenbetrieb verankert, werden mit einem eigenen Erfolgs- und Liquiditätsplan geführt und über mehrere Jahre finanziell fortgeschrieben. Das ist eine klare Form kommunaler Absicherung.
Eintrittsgelder reichen bei weitem nicht
Die geplanten Einnahmen aus den Eintrittsgebühren steigen zwar. Für das Freibad rechnet die Stadt 2026 mit 110.000 Euro, für das Hallenbad mit 47.000 Euro. Die Steigerung wird mit der Gebührenanpassung zum 01.11.2025 begründet.
Doch auch höhere Eintrittspreise ändern nichts am Grundproblem. Die Einnahmen decken nur einen kleinen Teil der tatsächlichen Kosten. Im Liquiditätsplan stehen für die Bäder 180.000 Euro Einzahlungen aus laufender Geschäftstätigkeit 726.300 Euro Auszahlungen gegenüber. Schon im laufenden Betrieb entsteht damit ein Zahlungsmittelbedarf von rund 546.300 Euro.
Insgesamt wird für die Betriebssparte Bäder 2026 eine Verschlechterung des Finanzierungsmittelbestands um 660.400 Euro veranschlagt.
Der Betrieb braucht Unterstützung der Stadt
Besonders deutlich wird die Lage in der Finanzplanung. Dort heißt es, der Liquiditätsbedarf der Betriebssparte Bäder sei weiterhin enorm hoch. Ein Ausgleich über die anderen Betriebssparten sei nicht mehr ohne Weiteres möglich. Ohne Unterstützung aus dem städtischen Haushalt werde der Betrieb des Schwimmbades dauerhaft in dieser Form nicht mehr möglich sein.
Das ist eine starke Aussage. Sie bedeutet: Die Stadt weiß, dass die Bäder dauerhaft hohe Zuschüsse benötigen. Trotzdem werden sie als kommunale Infrastruktur weitergedacht.
Auch künftige Investitionen sind vorgesehen. Für die energetische Sanierung des Kabinengebäudes werden Kosten von rund 350.000 bis 400.000 Euro genannt. In der Finanzplanung ist dafür 2029 eine Darlehensaufnahme eingeplant.
Der Unterschied liegt nicht im Wert, sondern in der Planung
Die entscheidende Frage lautet nicht: Ist ein Schwimmbad wichtiger als Kultur?
Die bessere Frage lautet: Warum wird das eine freiwillige Angebot trotz hoher Defizite konkret geplant und finanziell fortgeschrieben, während das andere vor allem allgemein beschrieben wird?
Bei den Bädern ist sichtbar, was sie kosten. Es ist sichtbar, dass sie dauerhaft Unterstützung brauchen. Und es ist sichtbar, dass die Stadt diese Infrastruktur weiterführen will.
Bei der Kultur bleibt vieles offen. Sie soll verbinden, integrieren und öffentliche Räume beleben. Aber wo sie künftig verlässlich stattfinden soll, wer sie trägt und welche Räume dafür gesichert werden, wird nicht ausreichend beantwortet.
Freiwillig heißt nicht unwichtig
Der Vergleich mit den Bädern zeigt: Auch freiwillige Leistungen können politisch geschützt werden, wenn sie als unverzichtbar für die Stadt gelten. Genau das passiert bei den Bädern. Trotz hoher Verluste werden sie als Teil der kommunalen Daseinsvorsorge behandelt.
Das kann man gut begründen. Schwimmen, Schul- und Vereinssport, Gesundheitsförderung und Freizeitangebote sind wichtig.
Aber dasselbe Argument lässt sich auch für Kultur führen. Auch Kultur ist kein Luxus. Sie schafft Begegnung, Beteiligung und Identität. Sie stärkt die Innenstadt, gibt Vereinen und Initiativen Raum und macht öffentliches Leben sichtbar.
Wenn Kultur aber nur als schöner Begriff in Konzepten auftaucht, während konkrete Orte verschwinden oder unklar bleiben, entsteht eine Schieflage.
Es geht nicht um ein Entweder-oder
Bäder und Kultur erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Beide können für eine Stadt wichtig sein. Beide kosten Geld. Beide bringen Menschen zusammen.
Deshalb wäre es falsch, sie gegeneinander auszuspielen. Aber es ist legitim, die Prioritäten zu hinterfragen.
Denn der aktuelle Wirtschaftsplan zeigt: Für die Bäder gibt es trotz hoher Defizite eine klare Struktur, eine mehrjährige Finanzplanung und die erkennbare Bereitschaft, den Betrieb weiter zu stützen. Für Kultur gibt es im Stadtentwicklungskonzept dagegen vor allem Ziele, Begriffe und Möglichkeiten.
Genau dieser Unterschied macht die Debatte aus.
