Sanierung des alten Krankenhauses – Aufbruch oder vertane Chance?

20.09.2025

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Das ehemalige Krankenhaus in der Georg-Kerner-Straße hat eine lange Tradition. Seit 1830 prägte es als Armenhaus, Krankenhaus und zuletzt als Unterkunft für Obdachlose und Geflüchtete die Geschichte Wehrs.

Nun soll das Gebäude in ein Mehrfamilien- und Apartmenthaus mit 24 Wohnungen und 14 Apartments umgewandelt werden. Die Stadtverwaltung empfiehlt dem Bau- und Umweltausschuss, das Vorhaben zu genehmigen.

Geplanter Wohnraum

Der Bauantrag sieht vor, überwiegend kleinere Wohneinheiten zu schaffen. Ergänzt werden diese durch einen Aufzug, 36 Pkw-Stellplätze, 76 Fahrradstellplätze und einen Kinderspielplatz. Beheizt werden soll das Gebäude mit einer Luft-Wärmepumpe, zusätzlich ist eine Lüftungsanlage vorgesehen. Damit soll dringend benötigter Wohnraum entstehen.

Abweichungen vom Bebauungsplan

Damit das Projekt umgesetzt werden kann, sollen gleich mehrere Abweichungen zugelassen werden: Überschreitungen der Baugrenze, verkürzte Abstandsflächen und rechnerisch ein zusätzliches Geschoss. Die Stadt kündigt an, den Bebauungsplan künftig entsprechend anzupassen. Dies wirft die Frage auf, wie verbindlich solche Planungen überhaupt noch sind.

Soziale Ausrichtung

Viele der geplanten Wohnungen sind klein – ein Vorteil für Alleinstehende und Paare. Für Familien ist das Angebot jedoch weniger attraktiv, da nur eine große Wohnung vorgesehen ist. Auch bei der Barrierefreiheit gibt es Einschränkungen: 13 Einheiten gelten als barrierefrei, lediglich eine ist rollstuhlgerecht.

Ökologische Aspekte

Mit Wärmepumpe und Lüftungsanlage werden erste Schritte in Richtung Nachhaltigkeit unternommen. Doch weitergehende Maßnahmen wie Photovoltaik oder Konzepte zur Regenwassernutzung fehlen. Gerade in Zeiten von Klimawandel und Energiewende hätte das Projekt hier Vorbildcharakter haben können.

Verkehr und Infrastruktur

Die Zahl der Stellplätze wurde mithilfe von Abzügen aufgrund der ÖPNV-Nähe reduziert. In der Praxis aber bleibt Wehr eine Pendlerstadt, in der viele Haushalte auf ein Auto angewiesen sind. Die Gefahr von zusätzlichem Parkdruck ist daher real. Auch über die Belastung von Schulen, Kitas und Ärzten schweigt die Vorlage.

Das Projekt bietet Chancen: Wohnraum wird dringend gebraucht, und das historische Gebäude erhält eine neue Nutzung. Gleichzeitig bleibt der Eindruck, dass soziale Vielfalt, ökologische Weitsicht und eine nachhaltige Verkehrsplanung zu kurz kommen. Die Sanierung des alten Krankenhauses ist damit ein Schritt nach vorn – aber einer mit deutlichen Schattenseiten.

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