Die Stadt Wehr will ihr Frei- und Hallenbad sanieren. Das klingt erst einmal vernünftig. Das Hallenbad ist über 50 Jahre alt, das Freibad sogar noch älter. Viele Bürgerinnen und Bürger nutzen die Bäder: Schulen, Vereine, die DLRG, Schwimmkurse, Familien und Badegäste aus der Region.
Doch die geplante Sanierung ist kein kleines Reparaturprojekt. Es geht um rund 5 Millionen Euro. Der Bund könnte davon bis zu 45 Prozent übernehmen. Für die Stadt bliebe trotzdem ein Eigenanteil von rund 2,76 Millionen Euro brutto. Und genau deshalb muss man genauer hinschauen.
Das Bad ist wichtig – aber teuer
Niemand sollte so tun, als sei das Bad überflüssig. Gerade für Kinder ist Schwimmunterricht wichtig. Vereine und DLRG brauchen Wasserzeiten. Auch für die Lebensqualität in Wehr spielt das Bad eine Rolle.
Die Beschlussvorlage der Stadt zeigt außerdem klar: Am Gebäude gibt es echte Probleme. Das Dach wurde schon mehrfach repariert. Es gab Wassereintritt. Wände im Untergeschoss sind feucht. Fenster sind undicht. Die Fassade ist schlecht gedämmt. Es fehlt ein barrierefreier Zugang. Auch Sanitäranlagen, Heizung und Technik sind in die Jahre gekommen.
Das ist also keine Luxusfrage. Es geht darum, ob das Bad langfristig überhaupt sicher und sinnvoll weiterbetrieben werden kann.
Der Fördertopf macht Druck
Trotzdem ist Vorsicht angebracht. Die Stadt will sich an einem Bundesprogramm beteiligen. Dafür muss schnell eine Projektskizze eingereicht werden. Die Frist endet am 19. Juni 2026.
Das Problem: Solche Förderprogramme erzeugen oft politischen Druck. Es heißt dann: Wenn wir jetzt nicht zugreifen, ist das Geld weg. Das stimmt vielleicht. Aber es darf nicht dazu führen, dass eine Stadt Millionen ausgibt, nur weil gerade ein Zuschuss winkt.
Ein Zuschuss macht ein Projekt günstiger. Aber er macht es nicht automatisch bezahlbar.
Die Bäder schreiben seit Jahren Verluste
Besonders wichtig ist die finanzielle Lage. Die Bädersparte macht laut Vorlage seit Jahren Verlust. Im Durchschnitt sind es rund 560.000 Euro pro Jahr. Für 2025 war sogar ein Minus von 735.000 Euro geplant. Für 2026 rechnet die Stadt mit einem Verlust von 690.000 Euro.
Das heißt: Schon der laufende Betrieb ist teuer. Die geplante Sanierung kommt zusätzlich obendrauf.
Die Verwaltung schreibt selbst, dass der Eigenbetrieb die Investition nicht aus eigener Kraft finanzieren kann. Das ist ehrlich. Aber es ist auch ein Warnsignal. Wenn der Eigenbetrieb das Geld nicht hat, muss es am Ende von woanders kommen – wahrscheinlich aus dem städtischen Haushalt oder aus weiteren Fördermitteln.
Wer zahlt am Ende wirklich?
Die Vorlage nennt verschiedene Möglichkeiten: weitere Zuschüsse, sogenannte LuKIFG-Mittel oder eine Finanzierung über die Stadt. Doch vieles klingt noch unsicher.
Weitere Fördermittel sind nicht garantiert. Manche Zuschüsse können außerdem dazu führen, dass die Bundesförderung geringer ausfällt. Und wenn die Stadt selbst Geld zuschießt, belastet das den Kernhaushalt.
Für Bürgerinnen und Bürger heißt das: Am Ende geht es um Steuergeld. Geld, das dann an anderer Stelle fehlen kann – zum Beispiel bei Straßen, Schulen, Kinderbetreuung, Feuerwehr, Vereinen oder anderen wichtigen Aufgaben.
Genau deshalb braucht es eine klare Antwort: Welche Projekte müssen verschoben werden, wenn das Bad saniert wird? Wird es später höhere Eintrittspreise geben? Muss die Stadt an anderer Stelle sparen?
20 Jahre Verpflichtung sind eine lange Zeit
Ein weiterer Punkt ist besonders kritisch: Wer die Bundesförderung bekommt, verpflichtet sich, das Bad 20 Jahre lang weiter zu betreiben. Wird das Bad vorher geschlossen oder anders genutzt, können Fördergelder zurückgefordert werden.
Das bedeutet: Die Stadt entscheidet nicht nur über eine Baustelle. Sie entscheidet über eine Verpflichtung bis weit in die 2040er-Jahre.
Das kann richtig sein. Aber dann muss man offen sagen: Wehr bindet sich langfristig an den Betrieb des Frei- und Hallenbads – mit allen Kosten, die in Zukunft noch kommen.
Energiesparen ja – aber bitte mit Zahlen
Die Sanierung soll auch Energie sparen. Geplant sind unter anderem bessere Dämmung, neue Fenster, neue Technik, LED-Beleuchtung, Photovoltaik und eine teilweise modernisierte Wärmeverteilung. Das klingt sinnvoll.
Aber in der Vorlage fehlen klare Zahlen, die für die Öffentlichkeit leicht verständlich sind. Wie viel Energie wird wirklich eingespart? Wie stark sinken die Betriebskosten? Wann macht sich die Investition bezahlt? Welche Kosten bleiben trotzdem?
Nur zu sagen, die Sanierung sei „energetisch sinnvoll“, reicht bei einem Projekt von rund 5 Millionen Euro nicht aus.
Der Gemeinderat sollte Bedingungen stellen
Die Teilnahme am Förderverfahren kann sinnvoll sein. Denn ohne Zuschuss wird die Sanierung noch schwieriger. Aber der Gemeinderat sollte nicht einfach einen Blankoscheck ausstellen.
Vor einer endgültigen Umsetzung braucht es eine verständliche Übersicht:
Was muss sofort gemacht werden, damit das Bad weiterbetrieben werden kann? Was ist nur wünschenswert? Welche Maßnahmen sparen tatsächlich Geld? Welche Kosten entstehen nach der Sanierung jedes Jahr? Und wie wird der Eigenanteil sicher finanziert?
Die Stadt selbst schreibt, dass einzelne Maßnahmen auch zurückgestellt werden könnten. Genau diese Möglichkeit sollte ernsthaft geprüft werden.
