Beiläufig wurde in einem Artikel der Badischen Zeitung vom 21. November 2025 erwähnt, die Schulsozialarbeit in Wehr sei gut ausgestattet und verfüge über ein durchgängiges Konzept von Klasse 1 bis 10. Eine Schulsozialarbeiterin zeichnete ein Bild stabiler Strukturen und umfassender Präventionsarbeit – ein Eindruck, der beruhigend wirkt.
Auch die Schulleitung griff dieses Bild auf und stellte die Schulsozialarbeit als gut verankert und zuverlässig funktionierend dar. Damit entsteht ein öffentliches Narrativ, das Stabilität und Vollständigkeit suggeriert.
Ob der Bürgermeister diese Darstellungen im Gespräch mit der Zeitung korrigierend eingeordnet oder relativiert hat, geht aus dem Artikel jedoch nicht hervor.
Ein Blick in den aktuellen Jahresbericht zeigt jedenfalls ein deutlich anderes Bild.
Ein Arbeitsfeld im ständigen Krisenmodus
Der Bericht dokumentiert, wie sehr akute Fälle inzwischen den Arbeitsalltag bestimmen: psychische Krisen, familiäre Belastungen, Konflikte, Verhaltensauffälligkeiten sowie Kinderschutzverfahren. Diese Aufgaben sind zeitkritisch und verlangen sofortige Aufmerksamkeit.
Das im Zeitungsartikel genannte durchgängige Konzept von Klasse 1 bis 10 bleibt somit häufig ein theoretisches Ziel, das im von Notlagen bestimmten Alltag schwer umzusetzen ist. Die geplante Kontinuität der Begleitung wird durch die Realität immer wieder ausgebremst.
Prävention nur noch eingeschränkt möglich
Während die öffentliche Darstellung den Eindruck erweckt, die präventive Arbeit sei stabil verankert, macht der Jahresbericht die Verschiebung deutlich:
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Suchtpräventionsangebote konnten nicht stattfinden,
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Klassenprojekte wurden reduziert,
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eine Elternvortragsreihe musste aus Zeitmangel entfallen.
Die Ursache liegt nicht in mangelnder Professionalität, sondern in der Überlastung durch akute Fälle. Prävention existiert weiterhin im Konzept – aber nicht zuverlässig im Alltag.
Öffentlicher Eindruck und tatsächliche Lage driften auseinander
Dass sich das positive Bild hält, liegt nicht nur am Zeitungsartikel, sondern auch daran, dass Schul- und Verwaltungsseite dieses Narrativ öffentlich mittragen. Die Botschaft lautet: Die Schulsozialarbeit funktioniert gut und ist ausreichend ausgestattet.
Der Jahresbericht zeigt hingegen, dass die Fachkräfte längst am Limit arbeiten. Ein großer Teil der Zeit fließt in dringende Einzelfälle. Für stabile Projektarbeit, präventive Reihen und Beziehungsaufbau bleiben nur noch Restkapazitäten.
So entsteht eine immer größere Diskrepanz zwischen Außendarstellung und Arbeitsrealität. Während nach außen Stabilität betont wird, macht der Jahresbericht klar, dass das System nur noch unter hoher Belastung funktioniert.
Einschätzung
Die Einschätzung ergibt sich direkt aus dem offiziellen Jahresbericht der Schulsozialarbeit: Dort werden hohe Fallzahlen, komplexe Beratungsprozesse, mehrere Kinderschutzverfahren sowie ausgefallene Präventionsangebote ausdrücklich benannt – jeweils begründet mit knappen zeitlichen Ressourcen und der Priorität akuter Einzelfälle.
Verantwortliche müssen die Situation korrekt einschätzen, denn diese Hinweise stehen in deutlichem Kontrast zum verbreiteten Bild einer stabilen Struktur – und sind wichtige Punkte, um Verbesserungen herbeiführen zu können.
