Showtanz im Bürgersaal – Wie man sich an einem Blatt Papier politisch verausgabt

25.07.2025

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Eine Polemik aus dem Zuschauerraum

Was war das bitte für ein Auftritt? Man hätte fast meinen können, es gehe um den Bau eines Reaktors auf dem Kirchplatz oder das Verbot von Sonnenaufgängen.

Doch in Wahrheit ging es um… eine Meinung.
Nicht mal eine eigene.
Eine Meinung über eine Planung, die anderswo entschieden wird.
Eine Rückmeldung.
Ein Stück Papier.

Man muss die Frage stellen dürfen: Hat der Gemeinderat eigentlich noch alle Windräder am Mast?

Wann genau ist aus einer Stellungnahme, die niemand zu irgendetwas verpflichtet, ein Grundsatzkonflikt geworden? Was genau wird da verteidigt – die Landschaft oder das Parteibuch?

Von der Windkraft zur Weltanschauung

Ja, man könnte fast meinen, man sei auf einem Parteitag und nicht im Bürgersaal.

Einige Stadträte enthalten sich mit Pathos, andere stimmen zu mit Bauchgrummeln, wieder andere kämpfen tapfer gegen Gespenster aus Rotorstahl.

Wohlgemerkt: Es geht nicht um den Bau irgendeiner Anlage, sondern um die Bewertung von veränderten Linien auf einer Karte.

Eine Art Verwaltungs-Karaoke, bei der jeder seine eigene Melodie singt – und sich dabei unheimlich ernst nimmt.

Kommunalpolitik im Überdruck

Natürlich darf man Meinungen haben. Natürlich darf man auch für oder gegen Windräder sein. Aber wie kann ein so technokratischer Vorgang so tief in ideologische Gräben führen?

Muss jedes Protokoll zum Brennstoff werden? Muss jedes Abstimmungsverhalten gleich die letzte Bastion gegen die Klimakatastrophe oder den Untergang der Heimat markieren?

Ein Vorschlag zur Güte

Vielleicht hilft ja fürs nächste Mal ein Reality-Check. Man könnte die Tagesordnungspunkte farblich markieren: Grün für „Hier entscheidet der Gemeinderat wirklich etwas“, Grau für „Hier geben wir nur unseren Senf dazu“, und Rot für „Achtung, Gefahr der ideologischen Selbstentzündung“.

Oder man führt eine neue Geschäftsordnung ein: Wer bei einer formalen Stellungnahme mehr als dreimal das Wort „Zukunft“ benutzt, muss in der nächsten Sitzung die Protokollführung übernehmen. Und zwar von Hand.

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