Die Stadt Wehr steht vor wichtigen finanziellen Entscheidungen: In der Gemeinderatssitzung am 18. November soll über mehrere größere Darlehensaufnahmen abgestimmt werden.
Insgesamt geht es um 3,32 Millionen Euro, die für die Stadt selbst sowie für die Eigenbetriebe Energie/Wasser/Bäder und Breitband aufgenommen werden sollen.
Warum neue Kredite? – Die Ausgangslage
Die Liquidität der Stadtkasse liegt aktuell bei knapp fünf Millionen Euro. Das klingt zunächst solide. Doch zahlreiche Investitionsprojekte – sowohl im städtischen Haushalt als auch in den Eigenbetrieben – führen bereits seit Monaten zu erheblichen Mittelabflüssen. Weitere Ausgaben stehen noch an, sodass die Verwaltung nun vorschlägt, die bestehenden Kreditermächtigungen teilweise oder vollständig auszuschöpfen.
Die Eigenbetriebe werden über die Einheitskasse geführt, dennoch werden ihre Mittel getrennt verbucht. Fehlt dort Liquidität, greift die Stadt derzeit kurzfristig mit internen Kassenkrediten ein.
Mit der nun vorgeschlagenen Darlehensaufnahme sollen diese Engpässe abgelöst und langfristig stabile Finanzierungen geschaffen werden.
2,5 Millionen Euro Kredit für die Stadt
Im Haushaltsplan 2024 ist eine Darlehensermächtigung über 2,5 Mio. Euro vorgesehen – genau diese Summe soll nun auch tatsächlich aufgenommen werden. Grund sind anstehende Restzahlungen u. a. für die Sanierung der Seebodenhalle sowie diverse Investitionen und Instandhaltungen im Stadtgebiet.
Die zusätzliche Kreditermächtigung im Haushaltsjahr 2025 (1 Mio. Euro) soll hingegen verschoben und ins nächste Jahr übertragen werden.
400.000 Euro für Energie, Wasser, Bäder
Der Eigenbetrieb Energie, Wasser, Bäder muss Investitionen aus dem Strukturgutachten Wasserversorgung finanzieren: darunter Arbeiten am Hochbehälter Enkendorf und mehrere Leitungsmodernisierungen. Die bereits im Vorjahr genehmigten, aber nicht abgerufenen Mittel reichen nicht mehr aus; neue Auszahlungen machen nun ein Darlehen über 400.000 Euro notwendig.
Parallel dazu plant der Eigenbetrieb eine Umschuldung eines auslaufenden Kredits (280.000 Euro).
420.000 Euro für den Eigenbetrieb Breitband
Beim Breitbandausbau sind die Tiefbauarbeiten abgeschlossen und sämtliche Bauleistungen bezahlt – rund 2,4 Mio. Euro allein in den letzten sechs Monaten. Zwar stehen Fördermittel von Bund und Land bereit, doch 10 % der Gesamtsumme werden als Sicherheit einbehalten und erst 2026 ausgezahlt. Um diese Lücke zu überbrücken, soll ein Kredit über 420.000 Euro vollständig ausgeschöpft werden.
Seit April 2025 sind zudem alle Ausbaugebiete – darunter Stadtmitte und Zelg – am Netz.
Keine neuen Kredite für den Eigenbetrieb Abwasser
Der Eigenbetrieb Abwasser verfügt derzeit über eine Liquidität von mehr als 1,7 Mio. Euro – genug, um alle laufenden Maßnahmen im Wirtschaftsjahr 2025 aus eigener Kraft zu finanzieren. Daher verzichtet die Verwaltung hier zunächst auf eine neue Kreditaufnahme. 180.000 Euro aus 2024 verfallen, die übrigen Kreditermächtigungen können ins kommende Jahr übertragen werden.
Wie geht es weiter?
Die Verwaltung möchte die Darlehen möglichst günstig bündeln und bei einem Anbieter aufnehmen – allerdings jeweils mit separaten Verträgen. Die finalen Konditionen können erst am Sitzungstag präsentiert werden, da erst dann die aktuellen Zinssätze vorliegen.
