Unsere (nicht repräsentative) Umfrage zur Stadtewtwicklung in Wehr zeigt deutliche Informations- und Beteiligungslücken. Rund 700 Leserinnen und Leser nahmen daran teil.
Geringe Bekanntheit des Stadtentwicklungskonzepts
Gleich zu Beginn zeigt die Umfrage ein überraschend klares Ergebnis:
Nur 31 % der Teilnehmenden haben überhaupt schon vom Stadtentwicklungskonzept gehört. 69 % geben an, dass ihnen das Konzept gänzlich unbekannt ist.
Angesichts der Tragweite solcher Maßnahmen – sie beeinflussen Verkehr, Wohnen, Grünflächen, Infrastruktur und Lebensqualität – stellt diese geringe Bekanntheit ein Problem dar. Ein kommunales Konzept, das kaum jemand kennt, kann weder Begeisterung erzeugen noch Vertrauen schaffen.
Inhalte kaum bekannt
Noch deutlicher fällt das Bild bei der inhaltlichen Auseinandersetzung aus. Lediglich 14 % haben sich bereits mit den Inhalten des Konzepts beschäftigt, während 86 % keinerlei Berührung damit hatten.
Das wirft Fragen auf: Wurden die Informationen nicht ausreichend kommuniziert? Finden die Bürger sie nicht zugänglich oder verständlich genug? Oder fehlt schlicht der Anreiz, sich aktiv mit theoretischen Planungsgrundlagen auseinanderzusetzen?
Maßnahmen grundsätzlich sinnvoll – aber nur für knapp ein Drittel
Trotz dieser geringen Kenntnis der Inhalte finden immerhin 28 % die vorgesehenen Maßnahmen „grundsätzlich sinnvoll“. Dem gegenüber stehen aber 9 %, die sie klar ablehnen, während eine beachtliche Zahl sich offenbar noch kein Urteil gebildet hat.
Die Zahlen zeigen: Es gibt Potenzial für Zustimmung, doch ohne Transparenz und aktive Vermittlung bleiben viele Bürger unentschlossen.
Bürgerbeteiligung wird als unzureichend empfunden
Besonders kritisch bewerten die Teilnehmenden die Bürgerbeteiligung: Nur 7 % empfinden sie als ausreichend – ein extrem niedriger Wert.
Eine überwältigende Mehrheit von 84 % ist der Meinung, dass die Beteiligung nicht ausgereicht hat.
Dieser Punkt ist politisch brisant: Der Wunsch nach Mitgestaltung ist deutlich vorhanden, wurde aber offenbar nicht erfüllt. Transparente Dialogformate, frühzeitige Einbindung und niedrigschwellige Mitmachmöglichkeiten scheinen dringend notwendig.
Richtung stimmt – aber nicht für alle
Trotz der Kritik glaubt fast die Hälfte der Befragten (46 %), dass das Konzept grundsätzlich die richtige Richtung für die Zukunft der Stadt vorgibt. Dem steht eine knappe Mehrheit von 51 % gegenüber, die das anders sieht.
Die Stadtgesellschaft zeigt sich hier gespalten: Hoffnung auf positive Entwicklung trifft auf Zweifel an Umsetzung, Zielsetzung oder Prioritäten.
Große Chancen, aber dringender Handlungsbedarf
Die Umfrage macht deutlich, dass das Thema Stadtentwicklung die Menschen bewegt – gleichzeitig aber große kommunikative und partizipative Lücken bestehen.
Was jetzt nötig ist:
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Mehr Transparenz: leicht verständliche Informationen, zugängliche Präsentationen und aktiv beworbene Veröffentlichungen.
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Echte Bürgerbeteiligung: Workshops, offene Sprechstunden, Beteiligungsplattformen – nicht nur auf dem Papier.
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Vertrauensaufbau: klare Antworten auf Sorgen, messbare Fortschritte und sichtbare Erfolge.
Die Stadt hat nun die Chance, aus diesen Ergebnissen zu lernen: Wer die Bewohnerinnen und Bewohner wirklich mitnimmt, schafft nicht nur Akzeptanz für Veränderungen, sondern auch ein starkes gemeinsames Zukunftsbild.
