Stadtentwicklungskonzept: Die Innenentwicklung

27.11.2025

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Neue Wohnflächen schaffen, ohne zusätzliche Landschaft zu verbrauchen – vor dieser Herausforderung stehen viele Städte. Auch Wehr setzt deshalb verstärkt auf Innenentwicklung: also die Nutzung und Aufwertung von Flächen, Gebäuden und Potenzialen innerhalb des bestehenden Stadtgebietes.

Das Stadtentwicklungskonzept zeigt deutlich: Innenentwicklung ist kein Einzelprojekt, sondern eine ganze Reihe von Maßnahmen, die zusammenspielen müssen, um Wohnraum zu schaffen, Lebensqualität zu erhöhen und gleichzeitig Natur und Ressourcen zu schützen.

Warum Innenentwicklung so wichtig ist

Wehr hat nur begrenzte Möglichkeiten, nach außen zu wachsen. Die Tallage, Naturräume und bestehende Strukturen setzen klare Grenzen. Gleichzeitig steigt der Wohnraumbedarf.

Innenentwicklung bedeutet deshalb:

  • vorhandenen Raum besser nutzen,

  • Baulücken schließen,

  • brachliegende Flächen aktivieren,

  • Gebäude modernisieren und umbauen,

  • Straßenräume und Plätze attraktiver machen.

Das Ziel: Wohnraum schaffen, ohne Landschaft zu verbrauchen – und gleichzeitig die Stadt lebenswerter machen.

Die zentralen Bausteine der Innenentwicklung

Die Analyse im Stadtentwicklungskonzept unterscheidet verschiedene Handlungsstränge, die alle miteinander verknüpft sind.

Baulücken bebauen – vorhandenen Platz nutzen

Viele freie Grundstücke liegen ungenutzt in Wohngebieten. Oft verhindern jedoch familiäre Gründe, fehlende Investitionsbereitschaft oder alte Bebauungspläne eine Bebauung.

Potenzialgebiete liegen vor allem in:

  • Klosterhof / Klostermatt

  • Öflingen

  • Brennet

  • nördliches Enkendorf

  • Teilen des Meierhofs

Gerade hier sieht das Konzept Chancen, nachhaltigen Wohnraum zu schaffen – ohne neue Flächen zu versiegeln.

„Doppelte Innenentwicklung“ – große Grundstücke sinnvoll nutzen

Viele ältere Wohngebiete (v. a. aus den 60er/70er Jahren) haben sehr große Grundstücke mit kleinen Einfamilienhäusern.

Hier bietet sich an:

  • Grundstücke zu teilen,

  • kleinere zusätzliche Gebäude zu planen,

  • Neubau auf Restflächen zu ermöglichen.

Für Bewohner bedeutet das neue Möglichkeiten – nicht nur finanziell, sondern auch für neue Wohnformen.

Ersatzneubau – sinnvoll erneuern, wo es nötig ist

Nicht jedes Gebäude lässt sich wirtschaftlich oder energetisch sinnvoll sanieren.

Wenn Abriss bedeutet, dass:

  • neue, gut geplante Gebäude entstehen,

  • mehr Wohnraum geschaffen wird,

  • ortsbildprägende Strukturen erhalten bleiben,

dann kann ein Ersatzneubau die nachhaltigere Lösung sein.

Nachverdichtung – mehr aus bestehendem Wohnraum machen

Aufstockung

Durch das Klimaschutzgesetz erleichtert – zusätzliche Wohneinheiten auf bestehenden Häusern, soweit der Bebauungsplan es erlaubt.

Anbau

Bestehende Gebäude erweitern – eine häufig sehr effiziente Methode, modernere Grundrisse, Barrierefreiheit oder zusätzlichen Wohnraum zu schaffen.

Dachausbau

Untere Dachräume werden zu vollwertigem Wohnraum. Wichtig: Klare Gestaltungsvorgaben und gute Einbindung ins Ortsbild.

Bodenordnung – Eigentumsfragen lösen

Ohne passende Grundstücksstrukturen kommt die Innenentwicklung schnell an ihre Grenzen.

Beispielhafte Bereiche mit Handlungsbedarf:

  • Brennet (Grünflächen zwischen Rötelbacherstr. & Riedstr.)

  • Hemmet / Finsterbach

  • Rheinau–Nagelfluh

Hier kann die Stadt mit freiwilliger Bodenordnung oder – falls notwendig – mit gesetzlicher Umlegung arbeiten, um neue Bebauungen zu ermöglichen.

Ortsrand abrunden – klare Kanten statt „Zerfransen“

Wehrs Siedlungsränder sind meist gut definiert. Einige Bereiche – z. B. im Osten Öflingens oder am nördlichen Rand der Großen Zelg II – bieten jedoch Potenzial für städtebaulich geordnete Ergänzungen.

Rochaden & Ausweichflächen – neue Flexibilität schaffen

Oft blockieren Bestandsnutzungen (z. B. Schuppen, Werkstätten oder Lager) eigentlich gut geeignete Wohnflächen.

Die Idee:
Durch Ausweichflächen, Tauschangebote oder gemeinsame Werkstattbereiche können Flächen freigemacht werden.

Großes Potenzial:

  • Bereich „Obere Wiher“, komplett im Außenbereich – aber ideal für Maßnahmen zur Innenentwicklung, wenn bestimmte Nutzungen verlagert werden.

Ergänzungsangebote & alternative Wohnformen

Innenentwicklung bedeutet nicht nur „mehr Wohnfläche“, sondern auch bessere Nutzung:

  • Homeoffice-Stützpunkte, Coworking

  • Minia-partments statt Gästezimmer

  • Shared Spaces für Werkstätten & Lagerräume

Und:
Neue Wohnformen wie Cluster-Wohnen, Mehrgenerationenmodelle, gemeinschaftliche Wohnprojekte können besonders in der Innenstadt wertvolle soziale Impulse setzen.

Bestandsgebäude flexibel machen

Viele Einfamilienhäuser sind zu groß für nur eine Generation – und werden trotzdem oft von einzelnen Personen bewohnt.

Flexible Lösungen:

  • Um- und Rückbau,

  • Teilwohnungen,

  • Mehrgenerationenhäuser,

  • Anpassung an demografische Veränderungen.

Das Ergebnis:
Mehr Angebot für Familien, Senioren, junge Menschen – ohne neuen Flächenverbrauch.

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