Vorberatungen zum Haushaltsplan 2026 im Zeichen angespannter Finanzlage

23.11.2025

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Der Gemeinderat der Stadt Wehr tritt am 24. November in eine entscheidende Phase der kommunalpolitischen Arbeit: Die Vorberatungen zum Haushaltsplan 2026 laufen auf Hochtouren.

Grundlage dafür ist die ausführliche Beschlussvorlage des Rechnungsamts, die im Verwaltungs- und Finanzausschuss (VFA). Der Haushaltsentwurf zeigt deutlich, wie komplex die finanzielle Lage der Stadt ist und welche Herausforderungen das kommende Jahr bereithält.

Angespannte Rahmenbedingungen prägen den Haushalt

Bereits der Finanzzwischenbericht 2025 hatte gezeigt, dass die kommunalen Haushalte landesweit unter Druck stehen. Während das Land Baden-Württemberg nach der Steuerschätzung 2025 mit deutlichen Mehreinnahmen rechnen kann, trifft die Eintrübung der Wirtschaftslage die Kommunen im Land empfindlich: Massive Rückgänge bei der Gewerbesteuer sorgen insgesamt für geringere Einnahmeerwartungen. Auch Wehr bleibt davon nicht verschont.

Für das aktuelle Jahr rechnet die Stadt trotz eines soliden Zwischenstands bei der Gewerbesteuer mit möglichen deutlichen Nachzahlungen und Schwankungen – ein Risiko, das sich jederzeit verschärfen kann. Gleichzeitig bleiben die Belastungen durch Kreis- und Finanzausgleichsumlage auf hohem Niveau.

Ergebnishaushalt 2026: Negatives Ergebnis erwartet

Der Haushaltsentwurf 2026 weist bei einem Gesamtvolumen von rund 45 Millionen Euro ein deutlich negatives ordentliches Ergebnis in Höhe von –3,562 Millionen Euro aus. Das ist eine deutliche Verschlechterung gegenüber der bisherigen Finanzplanung und zeigt: Die laufenden Aufwendungen der Stadt können nicht vollständig durch die laufenden Erträge gedeckt werden.

Der Grund dafür liegt vor allem in stark steigenden Unterhaltungs- und Instandsetzungskosten. Insbesondere Schulen, Kindergärten und Gebäude wie der KulTurm erfordern umfangreiche Maßnahmen, die sich auf über 3 Millionen Euro summieren – der höchste Stand seit vielen Jahren.

Investitionen: Stadtentwicklung im Fokus

Trotz der angespannten Haushaltslage setzt der Gemeinderat weiterhin auf Zukunftsprojekte. Das Investitionsvolumen steigt 2026 gegenüber dem Vorjahr deutlich an und umfasst rund 5,2 Millionen Euro.

Wichtige Vorhaben sind:

  • Umgestaltung des Talschulplatzes (900.000 €)

  • Ausbau weiterer Arztpraxisräume im Ärztehaus (580.000 €)

  • Beitrag zur Hochrheinelektrifizierung (550.000 €)

  • Barrierefreie Bushaltestellen (370.000 €)

  • Ökologische Maßnahmen an der Wehra (350.000 €)

Die Stadt setzt damit klar auf Infrastruktur, Mobilität und Daseinsvorsorge – Themen, die in der Bevölkerung eine hohe Relevanz haben. Auch der Erwerb von Grundstücken bleibt mit 1,2 Millionen Euro ein wesentlicher Baustein kommunaler Entwicklung.

Personalkosten und Umlagen: Zwei große Kostentreiber

Mit knapp 17 Millionen Euro bleiben die Personalausgaben der größte Einzelposten im Haushalt. Tariferhöhungen, der Ausbau digitaler Verwaltung sowie zusätzliche Kräfte im Bereich Kindergärten und Integration machen einen Großteil des Anstiegs aus.

Gleichzeitig steigen die Pflichtabgaben dramatisch: Kreisumlage und Finanzausgleichsumlage erhöhen sich zusammen um rund 2,2 Millionen Euro – ein erheblicher Einschnitt.

Finanzhaushalt: Liquidität unter Druck

Auch im Finanzhaushalt zeigt sich die Belastung: Bei planmäßiger Umsetzung der investiven Maßnahmen sinkt der Finanzmittelbestand um fast 2 Millionen Euro. Um die Handlungsfähigkeit zu wahren, ist eine Kreditaufnahme in Höhe von 1,3 Millionen Euro vorgesehen. Bereits 2025 war eine Darlehensaufnahme zur Liquiditätssicherung notwendig.

Ein Haushalt zwischen Pflicht und Zukunft

Die Vorberatungen zeigen deutlich: Der Haushalt 2026 ist kein einfacher Verwaltungsvorgang, sondern ein Kraftakt zwischen Pflichtausgaben, steigenden Umlagen und dem Anspruch, Wehr weiterhin zukunftsorientiert zu gestalten.

Der Gemeinderat steht vor der Aufgabe, Prioritäten zu setzen und gleichzeitig wichtige Projekte nicht aus den Augen zu verlieren. Öffentliche Diskussionen darüber wären nicht nur notwendig, sondern Ausdruck lebendiger kommunaler Demokratie.

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