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Wahlkampf mit Empörung: AfD-Plakatdebatte in Wehr

30.01.2026

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Im Zuge des laufenden Landtagswahlkampfs sorgt AfD-Direktkandidat Matthias Jehle in Wehr erneut für öffentliche Aufmerksamkeit. An Laternenmasten im Stadtgebiet hängen – oder hingen – seine Wahlplakate. In öffentlichen Äußerungen gibt Jehle an, dass rund 30 Plakate fehlen würden, und spricht in diesem Zusammenhang von „Plakatdiebstahl“.

Bereits im vergangenen Bürgermeisterwahlkampf hatte Jehle vergleichbare Vorwürfe erhoben. Damals veröffentlichte er ein Video, in dem er sogenannte „linke Komiker“ für die Beschriftung oder Beschädigung seiner Plakate verantwortlich machte und dies mit Kritik an „linker Bildung“ verband. Auch in diesem Zusammenhang wurde eine Belohnung in Höhe von 500 Euro für sachdienliche Hinweise ausgelobt. Ob es in diesem Fall zu einer Auszahlung kam, ist öffentlich nicht bekannt.

Weitere Aussagen stammen aus einem Social-Media-Profil, das in der Vergangenheit Andreas Wernle zugeordnet wurde. Wernle war im Kommunalwahlkampf 2024 selbst gemeinsam mit Matthias Jehle auf Wahlplakaten präsent. Über dieses Profil wurden Beiträge zum aktuellen Geschehen veröffentlicht, in denen von 15 fehlenden Plakaten die Rede ist. Zudem wird der Vorfall mit grundsätzlicher Kritik an der Briefwahl verknüpft und es werden frühere Wahlergebnisse in einer Weise interpretiert, die demokratische Verfahren infrage stellt. Auffällig ist dabei die schnelle Zuspitzung der Debatte: Bereits rund 37 Minuten nach einem ersten Beitrag äußerte dasselbe Profil den Verdacht gezielter Hetze gegen AfD-Wähler, zu einem Zeitpunkt, als noch keine weiteren Kommentare vorlagen.

Politische Einordnung

Unabhängig davon, in welchem Umfang tatsächlich Plakate entfernt wurden oder nicht, lässt sich der Vorgang politisch einordnen. Aus Sicht politischer Beobachter fügt sich die Darstellung in ein Muster ein, das im AfD-Wahlkampf wiederholt zu beobachten ist: Empörung und die Betonung einer Opferrolle werden genutzt, um öffentliche Aufmerksamkeit zu erzeugen. Diese Kommunikationsstrategie richtet sich insbesondere an Menschen, die dem bestehenden politischen System oder demokratischen Institutionen grundsätzlich skeptisch gegenüberstehen.

Gleichzeitig bemüht sich die AfD, im Wahlkampf auch sachpolitische Themen zu besetzen. Der Erfolg bleibt dabei begrenzt. Häufig beschränkt sich die Kommunikation auf die Benennung von Missständen, ohne konkrete oder nachvollziehbare Lösungsvorschläge zu präsentieren. Die Problembenennung allein scheint für Teile der Wählerschaft bereits ausreichend zu sein. Ähnlich verhält es sich mit öffentlich ausgelobten Belohnungen, zu deren tatsächlicher Einlösung bislang keine gesicherten Informationen vorliegen.

Was regelmäßig nicht erklärt wird, ist die Frage, wie die Erwartungen jener Menschen erfüllt werden sollen, die das demokratische System ablehnen.

Eine der beiden Seiten wird in jedem Fall verlieren: entweder das demokratische System selbst oder das demokratische Miteinander, das von Kompromissen, unterschiedlichen Sichtweisen und Meinungen lebt.

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