Alle Beiträge zur Stadtentwicklung

Wasserversorgung in Wehr: Stadt will zwei Millionenprojekte gleichzeitig angehen

11.04.2026

Deine Meinung ist wichtig. Bewerte den Beitrag am Ende der Seite.

Die Stadt Wehr steht bei ihrer Wasserversorgung vor einer wichtigen Richtungsentscheidung. Im Gemeinderat geht es um zwei große Investitionen, die in den kommenden Jahren umgesetzt werden sollen.

Zum einen soll die Versorgung des Gebiets Hölzle künftig über den Hochbehälter Faad organisiert werden. Zum anderen will die Verwaltung die zentrale Druckleitung vom Tiefbrunnen Nagelfluh II zum Stufenpumpwerk Wehra deutlich früher erneuern als ursprünglich vorgesehen.

Der Grund für die neue Priorität ist vor allem der Zustand der bestehenden Druckleitung. Über sie wird etwa die Hälfte des Wasserbedarfs der Stadt transportiert. In den vergangenen Jahren kam es dort wiederholt zu Schäden und Rohrbrüchen. Aus Sicht der Verwaltung zeigt das, dass die Leitung zunehmend störanfällig ist und nicht länger aufgeschoben werden sollte.

Projekt Faad soll die Struktur der Wasserversorgung verbessern

Das erste große Vorhaben betrifft die Versorgung des Gebiets Hölzle über den Hochbehälter Faad. Geplant sind neue Verbindungsleitungen, technische Umbauten und Sanierungsarbeiten am Hochbehälter selbst. Damit soll die Wasserversorgung effizienter organisiert werden.

Nach Darstellung der Verwaltung hätte das auch einen langfristigen Spareffekt: Andere ältere Anlagen müssten dann später nicht mehr aufwendig saniert werden.

Für diese Maßnahme sind im Wirtschaftsplan 2026 rund 2,6 Millionen Euro eingeplant. Ein Teil der Kosten wird durch Fördermittel abgefangen.

Druckleitung soll früher erneuert werden

Das zweite Projekt ist die Erneuerung der rund 4,5 Kilometer langen Druckleitung zwischen Nagelfluh II und dem Stufenpumpwerk Wehra. Ursprünglich war die Umsetzung erst für die Zeit ab 2029 vorgesehen. Wegen der zuletzt gehäuften Schäden will die Stadt das Vorhaben nun vorziehen.

Untersucht wurden mehrere Möglichkeiten. Am Ende blieben zwei realistische Varianten übrig: ein kompletter Neubau oder ein Neubau mit teilweiser Nutzung eines alten Industriesammlers. Zwar wäre die zweite Lösung zunächst günstiger, sie gilt aber auch als risikoreicher.

Die Verwaltung bevorzugt deshalb den vollständigen Neubau, weil Zustand, Zugänglichkeit und spätere Wartung bei der anderen Variante als problematisch eingeschätzt werden.

Höhere Kosten, aber mehr Versorgungssicherheit

Beide Projekte zusammen bedeuten erhebliche Investitionen. Für die neue Druckleitung werden derzeit rund 4,2 Millionen Euro veranschlagt, für das Faad-Projekt rund 2,6 Millionen Euro. Abzüglich der bereits bewilligten Förderung für einen Teil der Maßnahmen ergibt sich insgesamt dennoch eine hohe Belastung.

Diese Kosten werden sich nach Einschätzung der Verwaltung auch auf den Wasserpreis auswirken. Für Bürgerinnen und Bürger in Wehr bedeutet das nach derzeitiger Rechnung jährliche Mehrkosten von etwa 18 bis 24 Euro brutto pro Person, wenn beide Vorhaben wie vorgeschlagen umgesetzt werden. Die Stadt argumentiert jedoch, dass diese Investitionen notwendig seien, um die Wasserversorgung dauerhaft sicher und stabil zu halten.

Verwaltung empfiehlt die teuerste, aber schnellste Lösung

In der Vorlage werden vier mögliche Wege vorgestellt. Die vorgeschlagene Variante sieht vor, beide Maßnahmen parallel anzugehen: das Projekt rund um den Hochbehälter Faad wie geplant und zusätzlich sofort die Planung für die neue Druckleitung. So könnte die Ausschreibung für die Leitung bereits im Frühjahr 2027 erfolgen, ein Baubeginn wäre nach heutigem Stand im Sommer 2027 möglich.

Damit entscheidet der Gemeinderat nicht nur über ein technisches Thema, sondern auch über eine grundsätzliche politische Abwägung: Soll die Stadt jetzt mehr Geld in die Hand nehmen, um Risiken bei der Wasserversorgung frühzeitig zu begrenzen, oder einzelne Maßnahmen zeitlich verschieben und damit die finanzielle Belastung zunächst senken?

Bewerte den Beitrag