Gesundheit und Bildung sind Stärken
Dass Wehr bei Gesundheit und Bildung vergleichsweise gut abschneidet, ist für die Menschen vor Ort wichtig. Diese Bereiche betreffen fast jede Familie: Arztbesuche, Apotheken, Schulen, Kitas und andere Bildungsangebote prägen den Alltag.
Gute Werte in diesen Bereichen sind ein Standortvorteil. Sie sollten aber nicht als selbstverständlich betrachtet werden. Gerade in kleineren Städten und ländlicheren Regionen kann sich Versorgung schnell verschlechtern, wenn Arztpraxen schließen, Fachkräfte fehlen oder Betreuungsangebote unter Druck geraten.
Für die Lokalpolitik heißt das: Bestehende Stärken müssen gesichert werden, bevor sie verloren gehen.
Mobilität bleibt der Schwachpunkt
Der auffälligste Schwachpunkt in Wehr ist die Mobilität. Das dürfte viele Bürgerinnen und Bürger nicht überraschen. Wer auf Busverbindungen angewiesen ist, wer ohne Auto unterwegs sein muss oder regelmäßig Richtung Bad Säckingen, Waldshut, Lörrach oder Basel pendelt, kennt die Schwierigkeiten.
Mobilität ist im ländlichen Raum nicht nur eine Frage der Bequemlichkeit. Sie entscheidet darüber, ob Jugendliche selbstständig unterwegs sein können, ob ältere Menschen Arzttermine erreichen, ob Auszubildende zu ihrem Betrieb kommen und ob Berufspendler verlässlich zur Arbeit fahren können.
Wenn Mobilität nicht funktioniert, entsteht schnell das Gefühl: Ohne eigenes Auto geht nichts. Genau dieses Gefühl kann dazu beitragen, dass Menschen sich abgehängt fühlen.
Digitalisierung ist Zukunftspolitik
Auch bei der Digitalisierung liegt Wehr nicht im Spitzenfeld. Rang 4.539 ist kein dramatischer Wert, aber auch kein Grund zur Selbstzufriedenheit.
Schnelles Internet und stabile Mobilfunkverbindungen gehören heute zur Grundversorgung. Sie sind wichtig für Homeoffice, Betriebe, Schulen, Vereine, Rettungsdienste und die tägliche Kommunikation. Für eine Stadt wie Wehr ist digitale Infrastruktur deshalb auch Standortpolitik.
Wer junge Familien, Selbstständige und Unternehmen halten oder gewinnen will, braucht verlässliche Netze. Digitalisierung ist kein Luxusprojekt, sondern Voraussetzung für wirtschaftliche Entwicklung und Lebensqualität.
Warum Daseinsvorsorge politisch so wichtig ist
Die Studie zeigt: Daseinsvorsorge ist mehr als Verwaltung. Sie beeinflusst, ob Menschen den Eindruck haben, dass der Staat vor Ort funktioniert.
Wenn Busse ausfallen, Arztpraxen schließen, Straßen schlecht sind oder das Internet nicht zuverlässig läuft, entsteht Frust. Dieser Frust richtet sich dann nicht immer nur gegen das einzelne Problem. Er kann sich auch gegen Politik insgesamt richten.
Besonders interessant ist ein Ergebnis der Studie: Bundesweit bewerten 53 Prozent der Menschen ihre Daseinsvorsorge positiv, nur etwa jeder Vierte ist unzufrieden. Unter Anhängern von SPD, Union und Grünen hält rund jeder Zweite die Versorgung vor Ort für zuverlässig. Anders sieht es bei AfD-Anhängern aus: Dort überwiegt die Unzufriedenheit. 39 Prozent halten ihre Daseinsvorsorge für nicht zuverlässig, nur 26 Prozent für zuverlässig.
Der IW-Studienautor Matthias Diermeier fasst das so zusammen: „AfD-Anhänger nehmen selbst die unmittelbare Versorgung in ihrer Gemeinde durch einen Pessimismusfilter wahr.“ Und weiter: „Will man der politischen Entfremdung entgegenwirken, reicht Geld allein nicht. Entscheidend sind nicht nur die tatsächlichen öffentlichen Angebote, sondern vielmehr wie diese wahrgenommen werden.“
Das ist auch für Wehr wichtig. Selbst wenn die Stadt insgesamt gut abschneidet, können einzelne Schwächen das Lebensgefühl stark prägen. Wer täglich schlechte Verbindungen erlebt, wer lange auf Termine wartet oder sich digital abgehängt fühlt, nimmt die Lage anders wahr als es ein guter Gesamtrang vermuten lässt.
Was die Lokalpolitik daraus lernen kann
Für Wehr ergeben sich aus den Zahlen drei Aufgaben.
Erstens sollten die vorhandenen Stärken bei Gesundheit und Bildung gesichert werden. Eine gute Versorgung in diesen Bereichen ist ein wichtiger Teil der Lebensqualität.
Zweitens muss Mobilität stärker in den Mittelpunkt rücken. Es geht nicht nur um Fahrpläne, sondern um Teilhabe. Wer ohne Auto kaum vorankommt, fühlt sich schnell ausgeschlossen.
Drittens sollte Digitalisierung als Grundversorgung verstanden werden. Stabile Netze sind heute so wichtig wie Straßen, Wasser und Strom.
Genauso wichtig ist aber die Kommunikation. Menschen wollen wissen, was sich verbessert, wo es Probleme gibt und warum manche Dinge länger dauern. Wer Probleme offen benennt und konkrete Schritte erklärt, schafft Vertrauen.
Quellen
Diermeier, Matthias / Doliesen, Konrad / Fremerey, Melinda / Böhmer, Hendrik / Engler, Jan Felix / Wendt, Jan, 2026, Geographien der Unzufriedenheit – Daseinsvorsorge. Empirische Bestandsaufnahme und politische Implikationen, Gutachten im Auftrag der Philip Morris GmbH, Köln / Berlin.