Wehr im Mittelfeld: Was eine neue Studie zur Daseinsvorsorge für unsere Stadt bedeutet

31.05.2026

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Wenn über „gleichwertige Lebensverhältnisse“ gesprochen wird, klingt das oft abstrakt. Gemeint ist aber etwas sehr Alltägliches: Gibt es vor Ort Ärzte, Schulen, Busse, schnelles Internet, Freizeitangebote und eine gute Anbindung?

Kurz gesagt: Funktioniert das Leben im eigenen Wohnort gut genug?

Eine aktuelle Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft mit dem Titel „Geographien der Unzufriedenheit – Daseinsvorsorge“ hat genau das für fast 11.000 Gemeinden in Deutschland untersucht. Betrachtet wurden unter anderem die Bereiche Bildung, Gesundheit, Mobilität, Digitalisierung und Freizeit.

Wehr schneidet insgesamt gut ab

Für Wehr ergibt sich im bundesweiten Vergleich ein Rang von 2.429 von 10.817 Gemeinden. In der Gesamtbewertung bedeutet das: gut.

Das ist zunächst eine positive Nachricht. Wehr gehört damit nicht zu den schlecht versorgten Gemeinden, sondern liegt im oberen Bereich des bundesweiten Vergleichs. Doch der Blick auf die einzelnen Bereiche zeigt deutliche Unterschiede.

Besonders gut steht Wehr bei der Gesundheit da. Hier erreicht die Stadt Rang 1.270. Auch im Bereich Bildung ist Wehr mit Rang 2.635 solide aufgestellt. Schwächer sieht es dagegen bei der Mobilität aus: Rang 7.816 ist ein klarer Hinweis darauf, dass es hier Probleme gibt. Bei der Digitalisierung liegt Wehr mit Rang 4.539 im Mittelfeld.

📍 Wehr 79664 im Vergleich

Daseinsvorsorge in Wehr: stark bei Gesundheit, schwach bei Mobilität

Eine interaktive Übersicht zu Versorgung, Alltag und Zukunftsfähigkeit der Stadt.

Bundesweiter Rang
2.429
von 10.817 untersuchten Gemeinden
✓ Gesamtbewertung: gut

Was zeigt die Grafik?

Wehr ist insgesamt gut aufgestellt. Die Grafik zeigt aber auch: Nicht alle Bereiche sind gleich stark. Besonders Mobilität und Digitalisierung bleiben zentrale Zukunftsthemen.

Rangplätze nach Bereichen

Je länger der Balken, desto besser schneidet Wehr im bundesweiten Vergleich ab. Tippen oder klicken Sie auf einen Bereich für eine kurze Einordnung.

Gesundheit
Rang 1.270
Gesamt
Rang 2.429
Bildung
Rang 2.635
Digitalisierung
Rang 4.539
Mobilität
Rang 7.816

Gesamtbild für Wehr

Wehr ist bei der Daseinsvorsorge insgesamt gut aufgestellt. Die größten Stärken liegen bei Gesundheit und Bildung. Nachholbedarf gibt es vor allem bei Mobilität und Digitalisierung.

Quelle: Diermeier, Matthias / Doliesen, Konrad / Fremerey, Melinda / Böhmer, Hendrik / Engler, Jan Felix / Wendt, Jan, 2026, Geographien der Unzufriedenheit – Daseinsvorsorge. Empirische Bestandsaufnahme und politische Implikationen, Gutachten im Auftrag der Philip Morris GmbH, Köln / Berlin.

Gesundheit und Bildung sind Stärken

Dass Wehr bei Gesundheit und Bildung vergleichsweise gut abschneidet, ist für die Menschen vor Ort wichtig. Diese Bereiche betreffen fast jede Familie: Arztbesuche, Apotheken, Schulen, Kitas und andere Bildungsangebote prägen den Alltag.

Gute Werte in diesen Bereichen sind ein Standortvorteil. Sie sollten aber nicht als selbstverständlich betrachtet werden. Gerade in kleineren Städten und ländlicheren Regionen kann sich Versorgung schnell verschlechtern, wenn Arztpraxen schließen, Fachkräfte fehlen oder Betreuungsangebote unter Druck geraten.

Für die Lokalpolitik heißt das: Bestehende Stärken müssen gesichert werden, bevor sie verloren gehen.

Mobilität bleibt der Schwachpunkt

Der auffälligste Schwachpunkt in Wehr ist die Mobilität. Das dürfte viele Bürgerinnen und Bürger nicht überraschen. Wer auf Busverbindungen angewiesen ist, wer ohne Auto unterwegs sein muss oder regelmäßig Richtung Bad Säckingen, Waldshut, Lörrach oder Basel pendelt, kennt die Schwierigkeiten.

Mobilität ist im ländlichen Raum nicht nur eine Frage der Bequemlichkeit. Sie entscheidet darüber, ob Jugendliche selbstständig unterwegs sein können, ob ältere Menschen Arzttermine erreichen, ob Auszubildende zu ihrem Betrieb kommen und ob Berufspendler verlässlich zur Arbeit fahren können.

Wenn Mobilität nicht funktioniert, entsteht schnell das Gefühl: Ohne eigenes Auto geht nichts. Genau dieses Gefühl kann dazu beitragen, dass Menschen sich abgehängt fühlen.

Digitalisierung ist Zukunftspolitik

Auch bei der Digitalisierung liegt Wehr nicht im Spitzenfeld. Rang 4.539 ist kein dramatischer Wert, aber auch kein Grund zur Selbstzufriedenheit.

Schnelles Internet und stabile Mobilfunkverbindungen gehören heute zur Grundversorgung. Sie sind wichtig für Homeoffice, Betriebe, Schulen, Vereine, Rettungsdienste und die tägliche Kommunikation. Für eine Stadt wie Wehr ist digitale Infrastruktur deshalb auch Standortpolitik.

Wer junge Familien, Selbstständige und Unternehmen halten oder gewinnen will, braucht verlässliche Netze. Digitalisierung ist kein Luxusprojekt, sondern Voraussetzung für wirtschaftliche Entwicklung und Lebensqualität.

Warum Daseinsvorsorge politisch so wichtig ist

Die Studie zeigt: Daseinsvorsorge ist mehr als Verwaltung. Sie beeinflusst, ob Menschen den Eindruck haben, dass der Staat vor Ort funktioniert.

Wenn Busse ausfallen, Arztpraxen schließen, Straßen schlecht sind oder das Internet nicht zuverlässig läuft, entsteht Frust. Dieser Frust richtet sich dann nicht immer nur gegen das einzelne Problem. Er kann sich auch gegen Politik insgesamt richten.

Besonders interessant ist ein Ergebnis der Studie: Bundesweit bewerten 53 Prozent der Menschen ihre Daseinsvorsorge positiv, nur etwa jeder Vierte ist unzufrieden. Unter Anhängern von SPD, Union und Grünen hält rund jeder Zweite die Versorgung vor Ort für zuverlässig. Anders sieht es bei AfD-Anhängern aus: Dort überwiegt die Unzufriedenheit. 39 Prozent halten ihre Daseinsvorsorge für nicht zuverlässig, nur 26 Prozent für zuverlässig.

Der IW-Studienautor Matthias Diermeier fasst das so zusammen: „AfD-Anhänger nehmen selbst die unmittelbare Versorgung in ihrer Gemeinde durch einen Pessimismusfilter wahr.“ Und weiter: „Will man der politischen Entfremdung entgegenwirken, reicht Geld allein nicht. Entscheidend sind nicht nur die tatsächlichen öffentlichen Angebote, sondern vielmehr wie diese wahrgenommen werden.“

Das ist auch für Wehr wichtig. Selbst wenn die Stadt insgesamt gut abschneidet, können einzelne Schwächen das Lebensgefühl stark prägen. Wer täglich schlechte Verbindungen erlebt, wer lange auf Termine wartet oder sich digital abgehängt fühlt, nimmt die Lage anders wahr als es ein guter Gesamtrang vermuten lässt.

Was die Lokalpolitik daraus lernen kann

Für Wehr ergeben sich aus den Zahlen drei Aufgaben.

Erstens sollten die vorhandenen Stärken bei Gesundheit und Bildung gesichert werden. Eine gute Versorgung in diesen Bereichen ist ein wichtiger Teil der Lebensqualität.

Zweitens muss Mobilität stärker in den Mittelpunkt rücken. Es geht nicht nur um Fahrpläne, sondern um Teilhabe. Wer ohne Auto kaum vorankommt, fühlt sich schnell ausgeschlossen.

Drittens sollte Digitalisierung als Grundversorgung verstanden werden. Stabile Netze sind heute so wichtig wie Straßen, Wasser und Strom.

Genauso wichtig ist aber die Kommunikation. Menschen wollen wissen, was sich verbessert, wo es Probleme gibt und warum manche Dinge länger dauern. Wer Probleme offen benennt und konkrete Schritte erklärt, schafft Vertrauen.

Quellen

Diermeier, Matthias / Doliesen, Konrad / Fremerey, Melinda / Böhmer, Hendrik / Engler, Jan Felix / Wendt, Jan, 2026, Geographien der Unzufriedenheit – Daseinsvorsorge. Empirische Bestandsaufnahme und politische Implikationen, Gutachten im Auftrag der Philip Morris GmbH, Köln / Berlin.

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