Wehr möchte Glasfaser attraktiv machen und verbreitet dabei Falschinformationen

25.01.2026

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Mit der neuen Artikelserie „Glasfaserklar“ möchte die Stadt Wehr für den Glasfaserausbau werben und Bürgerinnen und Bürger zur Nutzung der vorhandenen Infrastruktur motivieren.

Das Ziel ist richtig und wichtig. Problematisch ist jedoch, wie dieses Ziel verfolgt wird: Teile der veröffentlichten Informationen sind technisch verkürzt, irreführend oder schlicht falsch – und könnten genau das Gegenteil bewirken.

Glasfaser wird unnötig schlechtgeredet

In der aktuellen Folge der Serie wird der Eindruck erweckt, ein Glasfaseranschluss sei nur dann sinnvoll, wenn auch im Haus eine neue Netzwerkverkabelung (LAN) installiert wird. Alte Kupferleitungen würden die Geschwindigkeit „deutlich ausbremsen“ und seien für moderne Datenmengen „nicht geeignet“.

Diese Darstellung ist so nicht korrekt.

Richtig ist: Alte Telefonleitungen (klassische TAE-Kabel) sind tatsächlich ungeeignet, um hohe Datenraten im Haus zu verteilen. Daraus jedoch abzuleiten, dass Glasfaser ohne neue Hausverkabelung kaum Vorteile bringe, ist fachlich falsch.

Glasfaser bringt Vorteile – auch mit Kupfer im Haus

Entscheidend ist, wo das Kupfer liegt. Kupferleitungen im öffentlichen Netz (DSL) sind der eigentliche Engpass. Sobald Glasfaser bis ins Haus verlegt ist, verschwindet dieser Flaschenhals vollständig. Selbst wenn im Gebäude noch Kupfer genutzt wird, ergeben sich klare Vorteile:

  • deutlich höhere und stabilere Bandbreiten

  • geringere Latenz (wichtig für Homeoffice, Videokonferenzen, Gaming)

  • hohe Ausfallsicherheit

  • Unabhängigkeit von Leitungslängen und Wetter

  • langfristige Zukunftssicherheit

Auch mit WLAN, Powerline, Koaxialkabeln oder bestehenden LAN-Leitungen lassen sich mehrere hundert Megabit pro Sekunde zuverlässig nutzen – deutlich mehr als bei vielen DSL-Anschlüssen.

Kupfer ist nicht gleich Kupfer

Der Artikel der Stadt vermischt unterschiedliche Kupfertechnologien, ohne dies zu erklären. Dabei gibt es große Unterschiede:

  • Telefonleitungen: ungeeignet für hohe Datenraten

  • LAN-Kabel (Cat 5e/6): bis 1–10 Gbit/s möglich

  • Koaxialkabel: bis ca. 2,5 Gbit/s

  • WLAN: je nach Standard mehrere 100 Mbit/s bis über 1 Gbit/s

Pauschal von „Kupferleitungen“ zu sprechen, ohne diese Unterschiede zu benennen, ist irreführend und schürt unnötige Zweifel.

Verunsicherung statt Motivation

Viele Haushalte könnten aus dem veröffentlichten Text schließen:

„Wenn ich mein Haus nicht teuer umbauen lasse, lohnt sich Glasfaser für mich nicht.“

Das ist genau die falsche Botschaft. Glasfaser ist immer ein Fortschritt, selbst dann, wenn die Hausverkabelung nicht optimal ist. Diese kann jederzeit schrittweise verbessert werden – der Glasfaseranschluss selbst ist dagegen eine einmalige, langfristige Investition.

Kein Kommunikationstalent

Die Stadt Wehr verfolgt mit ihrer Glasfaserkommunikation ein wichtiges Ziel. Umso bedauerlicher ist es, dass dabei technisch ungenaue Aussagen getroffen werden, die Bürgerinnen und Bürger eher abschrecken als überzeugen.

Statt Ängste vor angeblich unzureichender Hausverkabelung zu schüren, wäre eine ehrliche und fachlich korrekte Botschaft angebracht:

Glasfaser lohnt sich fast immer – unabhängig von der bestehenden Hausverkabelung.

Nur mit transparenter und sachlich richtiger Information lässt sich Akzeptanz für digitale Infrastruktur schaffen.

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