Wasser wird deutlich teurer
Besonders konkret werden die finanziellen Folgen beim Trinkwasser. Wegen wiederholter Rohrbrüche soll die Druckleitung vom Tiefbrunnen Nagelfluh II zum Stufenpumpwerk Wehra früher als geplant erneuert werden. Die Baukosten werden grob auf mindestens 4,2 Millionen Euro geschätzt.
Die Verwaltung rechnet deshalb mit einer Erhöhung des Wasserpreises um mindestens 42 Cent brutto je Kubikmeter. Das Wort „mindestens“ ist entscheidend: Die Schätzung steht noch am Anfang, weitere Kostensteigerungen sind möglich.
Die Maßnahme dürfte technisch notwendig sein. Trotzdem stellt sich die Frage, ob die Infrastruktur in den vergangenen Jahren ausreichend vorausschauend unterhalten wurde. Zwölf Rohrbrüche im ersten Halbjahr sowie weitere beschädigte Schieber und Hydranten sind ein deutliches Warnsignal.
Breitbandnetz mit nur elf Prozent Anschlussquote
Auch der Eigenbetrieb Breitband bleibt problematisch. Das Netz ist technisch fertiggestellt, doch Ende Juni nutzten lediglich 332 Anschlussnehmer die Infrastruktur. Das entspricht einer Quote von elf Prozent.
Die erwarteten Pachteinnahmen liegen unter Plan. Gleichzeitig ist die Liquidität des Eigenbetriebs deutlich negativ. Ein Fördermittel-Sicherheitseinbehalt von rund 1,27 Millionen Euro wird voraussichtlich erst 2027 ausgezahlt. Die Stadt hat das Stammkapital deshalb nochmals um 250.000 Euro erhöht.
Die Verwaltung setzt nun auf Werbebanner, Postkarten, Erfolgsgeschichten und einen „Tag der Glasfaser“. Doch Werbung allein beantwortet die zentrale Frage nicht: Welche Anschlussquote ist nötig, damit das Netz langfristig wirtschaftlich betrieben werden kann?
Der Gemeinderat sollte sich offenlegen lassen, bis wann diese Quote erreicht werden soll und welche zusätzlichen Belastungen auf den städtischen Haushalt zukommen könnten, falls die Nachfrage dauerhaft niedrig bleibt.
Pflegeheim gut ausgelastet, aber mit hohen Kostenrisiken
Vergleichsweise positiv entwickelt sich die Bürgerstiftung. Das Pflegeheim erreicht eine Auslastung von mehr als 99 Prozent. Gleichzeitig liegen Personal- und Sachkosten deutlich über den anteiligen Ansätzen.
Die wirtschaftliche Stabilität soll vor allem durch höhere Pflegesätze gesichert werden. Vorgesehen ist eine deutliche Steigerung. Für den Betrieb mag das notwendig sein. Für Pflegebedürftige und Angehörige kann es jedoch höhere finanzielle Belastungen bedeuten.
Der Bericht betrachtet diese Entwicklung vor allem betriebswirtschaftlich. Die soziale Seite wird kaum thematisiert.
Gute Vorjahre kaufen nur Zeit
Die Verwaltung erklärt, dass das schwierige Jahr wegen guter Ergebnisse und finanzieller Vorsorge aus früheren Jahren noch bewältigt werden könne. Das beruhigt kurzfristig. Rücklagen können jedoch nur einmal eingesetzt werden.
Für kommende Jahre werden bereits Einschnitte angekündigt. Welche Einrichtungen, freiwilligen Leistungen oder Investitionen betroffen sein könnten, bleibt offen.
Der Finanzzwischenbericht sollte deshalb nicht als reine Formalie behandelt werden. Notwendig wären eine mehrjährige Finanzplanung unter Berücksichtigung der Novartis-Schließung, klare Kriterien für Investitionsentscheidungen und eine verständliche Darstellung der möglichen Folgen für Gebühren, kommunale Angebote und freiwillige Leistungen.
Wehr steht nicht unmittelbar vor der Zahlungsunfähigkeit. Aber die Stadt gewinnt derzeit vor allem Zeit: durch frühere Überschüsse, verschobene Projekte und noch nicht ausgeschöpfte Kredite. Eine langfristige finanzpolitische Strategie ist das noch nicht.