Wie Notstromaggregate zum Politikum werden

18.11.2025

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Die Gemeinderatssitzung am 18. November versprach eine Reihe bedeutender Themen. Die Zukunft des Wehra-Areals mit neuen Wohnflächen, die geplante Darlehensaufnahme und der Zustand des Stadtwaldes lieferten wichtige Einblicke in die politischen Positionen der Mitglieder des Gremiums – und in die Sorgen, die sie bewegen.

Unerwartet kontrovers wurde jedoch ein Tagesordnungspunkt diskutiert, der auf den ersten Blick unscheinbar wirkt: die Anschaffung von Notstromaggregaten, um im Krisenfall die Trinkwasserversorgung der Bevölkerung sicherzustellen.

Eigentlich könnte man annehmen, dass es sich hierbei um eine Selbstverständlichkeit handelt.

Notstrom für die Wasserversorgung – ein Grundpfeiler der Daseinsvorsorge

Die Mehrheit der Gemeinderäte erkannte die Notwendigkeit, die Trinkwasserversorgung auch bei länger andauernden Stromausfällen zu gewährleisten. Dabei geht es nicht nur darum, dass Wasser weiterhin verfügbar bleibt, sondern auch darum, Schäden am Versorgungssystem zu verhindern, die bei längerer Stromlosigkeit entstehen können.

Kostengünstig ist diese Absicherung nicht – zugleich gehört sie zu den elementaren Aufgaben einer Kommune. Umso überraschender war es, dass einzelne Ratsmitglieder erneut vor allem die finanziellen Aspekte in den Mittelpunkt stellten.

Von Mietmodellen bis zu privaten Aggregaten – eine Debatte am Thema vorbei?

Diskutiert wurden unter anderem Mietmodelle, der Einsatz privater Batteriespeicher oder der Zugriff auf Aggregate aus privatwirtschaftlicher Hand. Für Außenstehende wirkte die Diskussion in Teilen so, als bewege sie sich am ursprünglichen Ziel vorbei: der verlässlichen, kommunalen Daseinsvorsorge in einer potenziellen Krisensituation.

Auch Matthias Jehle meldete sich zu Wort. Ein Stromausfall sei seiner Ansicht nach durch den verstärkten Einsatz von Wind- und Solarenergie ohnehin nicht zu verhindern. Diese Einschätzung blendet jedoch wesentliche Entwicklungen wie Netzausbau, technische Lösungen und aktuelle Studien aus. Ob es sich dabei um seine persönliche Überzeugung handelt oder bereits erste Signale im Hinblick auf den kommenden Wahlkampf sind, bleibt offen.

Im selben Zusammenhang äußerte Jehle Sorge um den Diebstahlschutz der Aggregate und Transportmittel. Die Kombination wirkte wie ein Versuch, vergleichsweise geringfügige Probleme besonders hervorzuheben – möglicherweise in der Hoffnung, durch diffuse Sicherheitsbedenken zusätzliche Aufmerksamkeit oder Zustimmung zu gewinnen.

Blick auf den Stadtwald: Ein positives Signal

Ein Rückblick auf den Tagesordnungspunkt zum Stadtwald spendet jedoch etwas Zuversicht. Trotz eines Defizits, das unter anderem auf die Folgen des Klimawandels zurückzuführen ist, bestand im Gremium weitgehende Einigkeit: Ökologisch nachhaltiges Wirtschaften darf auch dann Vorrang haben, wenn es zeitweise wirtschaftliche Einbußen bedeutet – insbesondere dann, wenn äußere Rahmenbedingungen keine Alternativen zulassen.

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